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Alkohol und Gehirnvolumen Schon ein Glas Wein am Tag zeigt Spuren

Autor: Stephanie Käufl & Prof. Dr. Lutz Heinemann

Für drei und vier Alkoholeinheiten pro Tag büßte die graue Masse weitere 2,9 bzw. 4,0 Jahre ein. Für drei und vier Alkoholeinheiten pro Tag büßte die graue Masse weitere 2,9 bzw. 4,0 Jahre ein. © iStock/DNY59
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Dass Alkoholmissbrauch das Gehirnvolumen verkleinert ist ja bereits bekannt. Aber haben die zwei Gläschen Wein am Abend auch schon einen Effekt?

Allein der Konsum von einem halben Glas Wein oder einem kleinen Glas Bier pro Tag kann das Volumen der grauen Gehirnmasse deutlich verringern. Zudem hat Alkoholkonsum einen negativen Einfluss auf die Mikrostruktur der weißen Gehirnmasse. Das fanden Prof. Dr. Remi Daviet von der University of Wisconsin-Madison und Kollegen heraus, als sie die MRT-Gehirnscans von 36.678 gesunden Männern und Frauen zwischen 40 und 69 Jahren analysierten.

Dabei stellten sie fest, dass die Assoziation zwischen Alkoholmenge pro Tag und Volumenabnahme nicht linear, sondern exponentiell verlief. So sah man bei einem Konsum von einer Einheit Alkohol pro Tag (definiert als 10 ml oder 8 g purem Alkohol, dementsprechend ein halbes Glas Wein, ein kleines Glas Bier oder 25 ml Spirituosen), dass die graue Gehirnmasse um ein halbes Jahr stärker gealtert war als bei einem abstinenten 50-Jährigen. Wurden zwei Einheiten konsumiert, so nahm das Volumen zusätzliche 1,7 Jahre im Vergleich zum normalen Alterungsprozess ab. Für drei und vier Alkoholeinheiten pro Tag büßte die graue Masse weitere 2,9 bzw. 4,0 Jahre ein. Die größten Schäden fanden sich den Forschern zufolge im frontalen und parietalen Kortex sowie in der Insula.

In der weißen Gehirnmasse lief die Störung der Mikroarchitektur in ähnlichen Schritten ab. Bei schwerem Alkoholkonsum und Gedächtnisstörungen war besonders der Fornix von Strukturveränderungen betroffen.

Quelle: Daviet R et al. Nat Commun 2022; DOI: 10.1038/s41467-022-28735-5

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