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Vorhofflimmern Verschluss der linken Auricula im Rahmen einer Herz-OP sicher und wirksam

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Ansicht aus dem linken Atrium nach Verschluss des Vorhofohrs. 3D-Darstellung basierend auf einer CT-Angiographie. Ansicht aus dem linken Atrium nach Verschluss des Vorhofohrs. 3D-Darstellung basierend auf einer CT-Angiographie. © Science Photo Library/Fung, K.H.
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Der Verschluss des linken Herzohrs kann bei Patienten mit Vorhofflimmern das Risiko für einen Schlaganfall senken. Wer von dem Eingriff profitiert und wer eher nicht, bleibt zu klären.

Patienten mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall – nichts Neues soweit. Die verantwortlichen Emboli stammen zu einem guten Teil aus dem linken Herzohr. Was läge also näher, als die Struktur einfach aus dem Kreislauf auszuschließen und so das Risiko für die Betroffenen zu minimieren, fragt Kommentator Dr. Richard­ Page­ von der Abteilung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an der University of Vermont in Burlington. Die bisherigen Erfahrungen gehen allerdings vor allem auf perkutane Maßnahmen zurück und die Empfehlung zum Einsatz ist allenfalls schwach.

Ein ganz anderes Vorgehen haben Dr. Richard­ ­Whitlock vom David Braley Research Institute am General Hospital im kanadischen Hamilton und seine Kollegen gewählt. Die Wissenschaftler nahmen etwa 4800 Patienten mit Vorhofflimmern und einem Schlaganfallrisiko von mindestens zwei Punkten laut ­CHA2DS2-VASc in eine offene randomisierte Studie auf. Bei allen Teilnehmern war aus anderen Gründen eine OP am offenen Herzen mit Einsatz eines kardiopulmonalen Bypasses notwendig. Bei jeweils etwa der Hälfte der Kranken erfolgte nach dem Zufallsprinzip intraoperativ zusätzlich ein Verschluss des linken Herzohrs (mit verschiedenen chirurgischen Techniken), bei der anderen Hälfte geschah das nicht.

Etwa drei Viertel der Patienten in beiden Gruppen nahmen nach drei Jahren weiterhin orale Antikoagulanzien ein. Nach knapp vier Jahren war bei signifikant weniger Patienten der Verschlussgruppe ein Schlaganfall oder eine systemische Embolie aufgetreten (4,8 % vs. 7,0 %).

Perioperative Blutungen traten in beiden Gruppen ähnlich oft auf. Das galt auch für Herzinsuffizienzen – und das, obwohl im linken Vorhof auch das atriale natriuretische Peptid gebildet wird. In Anbetracht dieser Ergebnisse wird das Vorgehen vermutlich in die klinischen Leitlinien aufgenommen, schreibt der Kommentator abschließend – zumindest für die in dieser Studie behandelte Patientengruppe. Dennoch bleiben offene Fragen: Wie soll man etwa bei Flimmerpatienten mit geringem CHA2DS2-VASc-Score vorgehen und welchen Stellenwert nimmt zukünftig der perkutane Verschluss des linken Herzohrs als alleinige Intervention ein?

Quellen:
1. Page RL. N Engl J Med 2021; DOI: 10.1056/NEJMe2106069
2. Whitlock RP et al. A.a.O.; DOI: 10.1056/NEJMoa2101897

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