Hepatitis B

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Was ist Hepatitis B? – Symptome, Diagnostik, Therapie

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursachte Entzündung der Leber. Die Infektion kann akut verlaufen und ausheilen oder dauerhaft bestehen bleiben. Bei etwa neun von zehn Erwachsenen verläuft sie ohne oder nur mit unspezifischen Beschwerden. Doch auch bei ansonsten gesunden Menschen kann Hepatitis B in 5 bis 10 % der Fälle chronisch werden und über die Jahre die Leber schädigen.

HBV wird vor allem durch Blut- und Sexualkontakte sowie bei der Geburt von der infizierten Mutter auf das Kind übertragen. Eine Impfung schützt zuverlässig vor einer Infektion. Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus serologischen Markern und gegebenenfalls dem Nachweis der HBV-DNA.

Hepatitis-B-Infektionen bleiben oft unbemerkt

Wie viele HBV-Infektionen in Deutschland unentdeckt bleiben, lässt sich aus den Meldedaten nur eingeschränkt ablesen. Beim Robert Koch-Institut registrierte man für 2025 insgesamt 17.547 Hepatitis-B-Infektionen. Davon wurden 7.627 als chronisch und 9.138 mit unbekanntem Infektionsstadium übermittelt. Nur 782 Fälle waren als akut eingeordnet. Die Zahlen zeigen: Hepatitis B wird oft im Rahmen einer Testung oder bei der Abklärung anderer Befunde entdeckt, nicht erst dann, wenn die Leber Beschwerden macht.

Besondere Bedeutung kommt der HBV-Diagnostik bei erhöhtem Infektionsrisiko, vor einer immunsuppressiven Behandlung, bei anderen Lebererkrankungen und in der Schwangerschaft zu. Bei chronischer Hepatitis B können regelmäßige Kontrolluntersuchungen und – falls indiziert – eine antivirale Therapie das Risiko einer fortschreitenden Leberschädigung verringern.

Die WHO hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 die Zahl der Hepatitis-B-Infektionen um 90 % und die Mortalität um 65 % zu reduzieren.

Symptome einer Hepatitis B: So erkennt man eine Infektion

Viele Menschen bemerken eine Hepatitis B zunächst nicht. Das gilt besonders für chronische Infektionen. Auch normale Leberwerte schließen eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus nicht sicher aus.

Mögliche Beschwerden einer akuten Hepatitis B sind:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsminderung

  • Appetitlosigkeit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Fieber oder erhöhte Temperatur

  • Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen

  • Druck- oder Schmerzgefühl im rechten Oberbauch

  • dunkler Urin und heller Stuhl

  • Gelbfärbung der Haut oder Augen (Ikterus)

  • Juckreiz

Die ersten Beschwerden treten meist mehrere Wochen bis Monate nach der Ansteckung auf. Die Dauer ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der übertragenen Virusmenge ab. Eine Gelbsucht entwickelt sich nur bei einem Teil der Betroffenen. Die Infektion kann bereits vor dem Auftreten von Krankheitszeichen ansteckend sein.

Bei Erwachsenen heilt eine akute Hepatitis B in den meisten Fällen (90 %) spontan aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität. Bei Säuglingen, Kleinkindern und Menschen mit geschwächter Immunabwehr ist das Risiko einer chronischen Infektion deutlich höher.

Was sind Warnzeichen einer Hepatitis B?

Eine ausgeprägte Gelbsucht, zunehmende Benommenheit, Blutungsneigung, starke Übelkeit oder eine rasche Verschlechterung müssen sofort ärztlich abgeklärt werden. Selten kann eine akute Hepatitis B zu einem schweren Leberversagen führen.

Eine Hepatitis B wird als chronisch bezeichnet, wenn Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg; von englisch surface) länger als sechs Monate nachweisbar bleibt. Die chronische Infektion kann über lange Zeit ohne Beschwerden verlaufen. Mögliche spätere Hinweise sind Müdigkeit, Druckgefühl im rechten Oberbauch, Wassereinlagerungen, Gelbsucht oder Zeichen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung.

Wie steckt man sich mit Hepatitis B an?

Das Virus wird vor allem übertragen durch:

  • ungeschützten vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr, insbesondere bei Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten (z. B. Sperma und Vaginalsekret)

  • Kontakt mit infiziertem Blut, zum Beispiel durch gemeinsam benutzte Spritzen oder Nadeln

  • unsterile Tätowier-, Piercing- oder medizinische Instrumente

  • gemeinsam benutzte Rasierer, Zahnbürsten oder Sexspielzeuge

Diagnostik bei Hepatitis B: Welche Blutwerte und Untersuchungen wichtig sind

Die Abklärung beginnt mit der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Danach folgen die serologische Diagnostik und – bei einem auffälligen Befund – die Bestimmung der Viruslast und die Beurteilung der Leber.

Anamnese und klinische Untersuchung

Wichtig sind Fragen nach

  • Beginn und Art der Beschwerden,

  • möglichen Blut- oder Sexualkontakten,

  • Tätowierungen, Piercings und medizinischen Eingriffen,

  • intravenösem Drogenkonsum,

  • Hepatitis B in der Familie oder im Haushalt,

  • Herkunft oder längeren Aufenthalten in Regionen mit höherer HBV-Prävalenz,

  • Impfstatus,

  • Schwangerschaft,

  • Immunsuppression, Dialyse, HIV-Infektion, anderen Lebererkrankungen,

  • Medikamenten, Alkohol und Nahrungsergänzungsmitteln.

Bei der Untersuchung ist unter anderem auf Gelbsucht, eine vergrößerte Leber, Flüssigkeitseinlagerungen, Hautveränderungen und Zeichen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung zu achten.

Serologische Basisdiagnostik

Für die initiale Diagnostik einer HBV-Infektion werden HBsAg und in der Regel Antikörper gegen das Hepatitis-B-Kernantigen (Anti-HBc; von englisch core) bestimmt. Bei einem auffälligen Befund wird die Untersuchung erweitert.

Marker

typische Bedeutung

HBsAg

Hinweis auf eine aktuelle HBV-Infektion; bei Nachweis über mehr als sechs Monate Hinweis auf eine chronische Infektion

Anti-HBc-IgM

Hinweis auf eine frische oder akute Infektion; kann auch beim Schub einer chronischen Hepatitis B vorliegen

IgG-Anti-HBc

Hinweis auf einen früheren oder aktuellen Kontakt mit HBV; nach alleiniger Impfung nicht zu erwarten

Anti-HBs

Hinweis auf Immunität nach Impfung oder nach durchgemachter Infektion

HBeAg* und Anti-HBe*

Marker zur Beurteilung der Virusaktivität und des Verlaufs; sind immer im Zusammenhang mit anderen Befunden zu bewerten

HBV-DNA

direkter, quantitativer Nachweis der Virusvermehrung im Blut

* Das „e“ in HBeAg und Anti-HBe ist eine historische Bezeichnung und wird häufig mit dem englischen Begriff envelope in Verbindung gebracht.

Ein HBsAg-positiver Befund bedeutet, dass eine aktuelle Infektion vorliegen kann. Der Befund muss bestätigt und durch Anti-HBc-IgM, HBeAg, Anti-HBe, HBV-DNA sowie Verlaufskontrollen eingeordnet werden. Ein einzelnes positives Testergebnis unterscheidet nicht zuverlässig zwischen einer akuten und einer chronischen Hepatitis B.

Ein positives Testergebnis für Anti-HBc spricht für einen Kontakt mit HBV. Ein positiver Anti-HBs-Befund kann sowohl nach einer HBV-Impfung als auch nach einer ausgeheilten Infektion auftreten. Die Marker müssen deshalb immer gemeinsam interpretiert werden.

Basislabor, weitere Untersuchungen und Differenzialdiagnosen

Zur Beurteilung der Leberfunktion gehören unter anderem:

  • ALT und AST

  • Bilirubin

  • Gamma-Glutamyltransferase und alkalische Phosphatase

  • Albumin

  • Blutbild

  • Gerinnungswerte

  • Nierenfunktion, insbesondere vor und während bestimmter antiviraler Therapien

Bei bestätigter HBV-Infektion sollten je nach Situation außerdem Hepatitis C, Hepatitis D, Hepatitis E und eine HIV-Infektion ausgeschlossen sowie der Hepatitis-A-Immunstatus geprüft werden. Nach aktueller fachlicher Empfehlung sollen alle HBsAg-positiven Patientinnen und Patienten auf eine HDV-Infektion hin getestet werden. Bei positivem Anti-HDV folgt der Nachweis der HDV-RNA. Eine spezifische Impfung gegen HDV existiert nicht, die HBV-Immunisierung schützt aber indirekt vor Hepatitis D (siehe Kasten).

Auch an Hepatitis D denken!

Das Hepatitis-D-Virus (HDV) kann sich nur vermehren, wenn HBV vorhanden ist. Eine Simultaninfektion liegt vor, wenn sich eine Person gleichzeitig mit HBV und HDV infiziert, was zu einem schweren akuten Verlauf führen kann.

Bei einer Superinfektion kommt HDV zu einer bereits bestehenden chronischen Hepatitis B hinzu. Dies kann zu einem fulminanten Verlauf führen, die Lebererkrankung rasch verschlechtern und die Entwicklung einer Zirrhose beschleunigen. Insgesamt erhöht eine HDV-Infektion bei bestehender Hepatitis B das Risiko für schwere chronische Verläufe.

Eine HDV-Diagnostik soll daher bei allen Hepatitis-B-Patientinnen und Hepatitis-B-Patienten erfolgen, und zwar sowohl bei neudiagnostizierter HBV-Infektion als auch bei fehlender HDV-Testung bei bekannter HBV-Infektion. Besonders bei einer Exazerbation der chronischen Hepatitis B ist eine HDV-Superinfektion auszuschließen. Bei positivem Anti-HDV soll ein Virusnachweis im Blut mittels HDV-RNA erfolgen.

HDV-Hochprävalenzgebiete liegen unter anderem in Teilen Afrikas, der Mongolei, der Republik Moldau, in weiteren Ländern Osteuropas und Zentralasiens sowie in West- und Zentralafrika.

Zur Beurteilung der Leber gehören in der Regel eine Ultraschalluntersuchung und, wenn erforderlich, eine nichtinvasive Bestimmung des Leberfibrosegrades, etwa mittels Elastografie. Eine Leberbiopsie ist nur in ausgewählten Fällen erforderlich.

Typische Differenzialdiagnosen sind:

  • andere Virushepatitiden

  • medikamentös oder toxisch bedingte Leberschädigung

  • alkoholassoziierte Lebererkrankung

  • autoimmune Hepatitis

  • metabolisch bedingte Fettlebererkrankung

Screening und Befundmitteilung in der Praxis

Ein Screening auf HBV ist besonders wichtig bei Menschen mit erhöhtem Expositions- oder Komplikationsrisiko, bei erhöhten Leberwerten, vor einer Immunsuppression, bei HIV- oder HCV-Infektion, bei Dialyse sowie bei engen Haushalts- und Sexualkontakten zu HBsAg-positiven Personen. Schwangere sollen generell auf HBsAg untersucht werden.

Bei einem positiven Befund sollte die Praxis

  • den Befund bestätigen und die Serologie vervollständigen,

  • HBV-DNA und gegebenenfalls den Leberfibrosegrad bestimmen,

  • ALT und Leberwerte im Verlauf kontrollieren,

  • eine HCV-, HDV-, HEV- sowie eine HIV-Diagnostik veranlassen,

  • den Hepatitis-A-Immunstatus klären (Frage nach der Impfung),

  • klinisch-chemische Labortests beauftragen,

  • Ultraschalluntersuchung des Abdomens veranlassen,

  • die Patientin oder den Patienten verständlich über Infektiosität und weitere Schritte informieren,

  • Haushalts- und Sexualkontakte zur Testung und Impfung auffordern,

  • die fachärztliche Mitbeurteilung und die Verlaufskontrolle organisieren.

Namentliche Meldepflicht bei akuter Virushepatitis

Eine akute Hepatitis B und eine akute Hepatitis D sind in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Ärztinnen und Ärzte müssen den Verdacht, die Erkrankung und den Tod im Zusammenhang mit einer akuten Virushepatitis namentlich melden. Zusätzlich besteht für Labore eine namentliche Meldepflicht für Nachweise von HBV, HCV und HDV, unabhängig vom klinischen Bild und Infektionsstadium.

Therapie der Hepatitis B: Medikamente, Heilung, Nachsorge

Die Behandlung der Hepatitis B richtet sich nach dem Verlauf der Erkrankung, der Viruslast, den Leberwerten, dem Ausmaß der Leberfibrose, Begleiterkrankungen und nach besonderen Situationen wie Schwangerschaft oder Immunsuppression.

Therapie bei akuter Hepatitis B

Bei einer unkomplizierten akuten Hepatitis B steht meist eine unterstützende Behandlung im Vordergrund:

  • körperliche Schonung nach Bedarf

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr

  • gut verträgliche, ausgewogene Ernährung

  • vollständiger Verzicht auf Alkohol

  • Überprüfung sämtlicher Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel auf mögliche Leberschädlichkeit

  • Kontrollen von Leberwerten, Blutgerinnung und klinischem Zustand

Eine antivirale Therapie ist bei unkomplizierter akuter Hepatitis B nicht regelhaft erforderlich. Bei einem schweren Verlauf oder bei Zeichen eines akuten Leberversagens ist die sofortige stationäre beziehungsweise hepatologische Behandlung notwendig.

Therapie bei chronischer Hepatitis B

Nicht jede chronische Hepatitis B muss sofort medikamentös behandelt werden. Eine Therapie wird insbesondere geprüft bei anhaltend erhöhter ALT, erhöhter Konzentration der HBV-DNA, relevanter Fibrose oder Zirrhose, bestimmten extrahepatischen Manifestationen und besonderen Risikokonstellationen.

Für die Behandlung der chronischen Hepatitis B werden antivirale Substanzen (Nukleosid- und Nukleotidanaloga) eingesetzt, insbesondere Entecavir oder Tenofovir. Bei der Auswahl der Medikamente sollten unter anderem das Stadium der Lebererkrankung, Nierenfunktion, Knochendichte, Schwangerschaft oder Kinderwunsch, mögliche Vorbehandlungen und die HBV-DNA-Konzentration berücksichtigt werden.

Pegyliertes Interferon alfa ist eine zeitlich begrenzte Therapieoption für ausgewählte Patientinnen und Patienten. Die konkrete Therapieentscheidung sollte fachärztlich getroffen werden. Näheres ist in den Fachinformationen beschrieben.

Ernährung, Alkohol und Alltag bei Hepatitis B

Eine spezielle Kostform ist bei Hepatitis B in der Regel nicht erforderlich. Generell empfehlenswert sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Alkohol sollte vollständig vermieden werden. Die Einnahme von frei verkäuflichen Schmerzmitteln, pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Bis zur Klärung des Infektionsstatus und bis Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner einen ausreichenden Impfschutz haben, sind Kondome sinnvoll. Rasierer, Zahnbürsten, Nagelscheren und Sexspielzeug sollten nicht gemeinsam benutzt werden.

Schwangerschaft und Geburt

Das Screening auf HBsAg ist Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge. Bei einer HBsAg-positiven Schwangeren werden Viruslast und Lebergesundheit beurteilt. Bei hoher HBV-DNA-Konzentration kann eine antivirale Behandlung zur Verringerung des Übertragungsrisikos auf das Kind erwogen werden.

Ein Neugeborenes einer HBsAg-positiven Mutter soll möglichst innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt aktiv und passiv immunisiert werden. Das weitere Vorgehen und die serologischen Kontrollen erfolgen durch das betreuende Team. Der rechtzeitigen Abstimmung zwischen Geburtshilfe, Pädiatrie und Hepatologie kommt dabei große Bedeutung zu.

HBV-Impfung und Postexpositionsprophylaxe

Die STIKO empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung als Standardimpfung für Säuglinge. Nicht geimpfte Kinder und Jugendliche sollen die Grundimmunisierung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachholen. Erwachsenen wird die Impfung insbesondere bei erhöhtem beruflichem oder privatem Expositionsrisiko sowie bei erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf empfohlen. Zu diesen Personenkreisen zählen unter anderem:

  • medizinisches Personal

  • Menschen mit HIV-Infektion

  • Dialyse-Patientinnen und -Patienten, Immunsupprimierte

  • Strafgefangene

  • Personen, deren Sexualverhalten mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht

  • Menschen mit injizierendem Drogenkonsum

  • Personen mit Haushalts- und Sexualkontakten zu HBsAg-positiven Personen

Für Erwachsene kommt regulär ein Drei-Dosen-Schema mit den Zeitpunkten 0, 1 und 6 Monate zum Einsatz. Je nach Impfstoff und Situation können andere Schemata gelten. Eine unterbrochene Impfserie muss in der Regel nicht neu begonnen werden, jede dokumentierte Impfung zählt.

Bei einer Indikationsimpfung wird der Impferfolg üblicherweise vier bis acht Wochen nach der letzten Dosis mit Anti-HBs kontrolliert. Bei Immunsuppression, Dialyse oder besonders hohem Expositionsrisiko gelten besondere Kontroll- und Auffrischungsregeln.

Stand: August 2026 – aktuelle Empfehlungen sind den Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts zu entnehmen.

Nach einem möglichen Kontakt mit HBV-haltigem Blut soll die Expositionsstelle sofort mit Wasser und Seife gereinigt werden. Schleimhäute werden mit Wasser gespült. Danach ist unverzüglich ärztliche Hilfe erforderlich. Abhängig von Impfstatus und Exposition können eine Impfung und Hepatitis-B-Immunglobulin notwendig sein.

Nachsorge und Verlaufskontrollen bei Hepatitis B

Bei chronischer Hepatitis B werden die Kontrolltermine und der Umfang der Maßnahmen individuell festgelegt. Je nach Krankheitsphase und Therapie gehören folgende Untersuchungen dazu:

  • ALT und weitere Leberwerte

  • HBV-DNA

  • HBeAg und Anti-HBe

  • HBsAg, gegebenenfalls Anti-HBs

  • Blutbild und Nierenfunktion

  • Bestimmung des Leberfibrosegrades

  • Ultraschalluntersuchung der Leber

Bei erhöhtem Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom werden regelmäßige Ultraschallkontrollen, häufig im Abstand von sechs Monaten, empfohlen. Der konkrete Kontrollplan hängt unter anderem vom Vorliegen einer Zirrhose, der Familienanamnese, Alter, Herkunft und weiteren Risikofaktoren ab.

Verlaufskontrollen sollten dauerhaft dokumentiert werden. Die Hausarztpraxis kann Termine und Befunde koordinieren, die gastroenterologische, hepatologische oder infektiologische Fachpraxis beurteilt komplexe Verläufe und koordiniert die antivirale Therapie. Ein Recall-System hilft, die langfristige Betreuung der Patientinnen und Patienten zuverlässig umzusetzen.

Häufige Fragen zur Hepatitis B (FAQ): Was für Patientinnen und Patienten wichtig ist

Kann Hepatitis B vollständig geheilt werden?

Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist vollständig aus. Bei einer chronischen Hepatitis B kann die Virusvermehrung durch Medikamente langfristig unterdrückt werden. Eine vollständige Entfernung des Virus gelingt jedoch nicht immer. Deshalb bleiben Verlaufskontrollen wichtig.

Wie gefährlich ist eine chronische Hepatitis B?

Eine chronische Hepatitis B kann lange ohne Beschwerden verlaufen. Sie kann aber zu einer fortschreitenden Vernarbung der Leber, einer Zirrhose und zu Leberzellkrebs führen. Regelmäßige Kontrollen und eine Behandlung bei bestehender Therapieindikation können das Risiko von Komplikationen verringern.

Ist Hepatitis B beim Sex ansteckend?

Ja. Hepatitis B kann beim ungeschützten Sex übertragen werden. Bis zum Nachweis eines ausreichenden Impfschutzes der Partnerin oder des Partners sind Sexverzicht oder Kondome erforderlich.

Was bedeutet HBsAg positiv?

Ein positives HBsAg weist auf eine aktuelle Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) hin. Erst zusätzliche Marker sowie die HBV-DNA (Erbsubstanz des Virus) und Verlaufskontrollen zeigen, ob die Infektion akut oder chronisch ist und wie aktiv das Virus ist.

Was bedeuten HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs?

Das Kürzel HBsAg steht für das Hepatitis-B-Oberflächenprotein („s“ von englisch surface). Der Nachweis von HBsAg spricht für eine aktuelle Infektion. Das Vorliegen von Anti-HBc, also Antikörpern gegen das Kernprotein des Hepatitis-B-Virus („c“ von englisch core), weist generell auf einen Kontakt mit dem Virus hin. Anti-HBs, Antikörper gegen das virale Oberflächenprotein, zeigen eine Immunität nach Impfung oder nach durchgemachter Infektion an. Die Werte müssen stets gemeinsam und im Verlauf bewertet werden.

Kann man Hepatitis B im normalen Blutbild erkennen?

Nein. Ein normales Blutbild reicht nicht aus. Auch die Leberwerte können bei einer Hepatitis-B-Virus-Infektion unauffällig sein. Für die Diagnose sind spezielle HBV-Marker und gegebenenfalls der Nachweis von HBV-DNA, also der Erbsubstanz des Virus, erforderlich.

Was darf ich bei Hepatitis B essen und trinken?

Eine spezielle Diät oder eine besondere Kostform sind meist nicht erforderlich. Empfehlenswert sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit. Alkohol sollte vermieden werden. Die Einnahme von Medikamenten, frei verkäuflichen pflanzlichen und sonstigen Präparaten sowie von Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Welche Ärztin oder welcher Arzt behandelt Hepatitis B?

Die erste Abklärung kann in der Hausarztpraxis erfolgen. Für die weitere Diagnostik und Behandlung sind häufig eine gastroenterologische, hepatologische oder infektiologische Praxis zuständig. Bei einer Schwangerschaft oder einem schweren Verlauf ist die rasche spezialisierte Betreuung erforderlich.

Muss Hepatitis B immer behandelt werden?

Nein. Bei einer chronischen HBV-Infektion hängt die Therapieentscheidung unter anderem von Viruslast, Leberwerten, Leberfibrosegrad und individuellen Risikofaktoren ab. Manche Patientinnen und Patienten benötigen zunächst regelmäßige Kontrollen, andere brauchen antivirale Medikamente.

Wie schütze ich bei einer HBV-Infektion Familie und Partnerin bzw. Partner?

Haushalts- und Sexualkontakte sollten über die Infektion informiert und getestet werden. Nichtimmune Kontaktpersonen können sich impfen lassen. Bis zum Nachweis eines ausreichenden Impfschutzes sind beim Sex Kondome erforderlich. Gegenstände mit möglichen Blutverunreinigungen dürfen nicht gemeinsam benutzt werden.

Wo kann ich mich gegen Hepatitis B impfen lassen?

Die Impfung ist je nach Alter und Situation in der Hausarztpraxis, Kinderarztpraxis, gynäkologischen Praxis, der Betriebsmedizin, einem Impfzentrum oder beim Gesundheitsamt möglich. Die Notwendigkeit für und die Empfehlung zur Impfung richten sich nach Alter, Impfstatus, Exposition und Vorerkrankungen.

Was soll ich nach Kontakt mit HBV-Blut tun?

Die betroffene Stelle sofort mit Wasser und Seife reinigen, Schleimhäute mit Wasser spülen und unverzüglich ärztliche Hilfe suchen. Je nach Impfstatus und Exposition können eine Impfung und Immunglobuline erforderlich sein. Die Maßnahmen dürfen nicht aufgeschoben werden.

Wie oft muss bei Hepatitis B der Gesundheitszustand kontrolliert werden?

Das hängt von Viruslast, Leberwerten, Fibrosestatus, Therapie und individuellen Risikofaktoren ab. Bei erhöhtem Risiko für Leberzellkrebs werden oftmals halbjährliche Ultraschalluntersuchungen empfohlen. Den persönlichen Kontrollplan legt die behandelnde Praxis fest.

 

Leitlinien und Gesetze

S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion“

Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) § 6 Meldepflichtige Krankheiten

Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) § 7 Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern

Quellen

American Association for the Study of Liver Disease Practice Guidelines (AASLD)

Centers for Disease Control and Prevention: Hepatitis B Resources for Health Care Professionals

Deutsche Leberstiftung

gesund.bund.de: Hepatitis B

infektionsschutz.de: Hepatitis-B-Impfung bei Erwachsenen

Robert Koch-Institut: Empfehlungen der STIKO und DTG zu Reiseimpfungen 2026

Robert Koch-Institut: FAQ zur Schutzimpfung gegen Hepatitis B

World Health Organization (WHO): Hepatitis B