Ärzte-Broschüre senkt Antibiotikaeinsatz

Autor: Maria Weiß

Das Infomaterial ist nur hilfreich, wenn die Ärzte auch wirklich reinschauen. © iStock.com/gpointstudio

Der häufigste Anlass für eine ungerechtfertigte Antibiotikagabe ist Fieber beim Kind. Wer sich im Patientengespräch an einer Broschüre entlang hangelt, verschreibt weniger. Doch leider lassen viele Kollegen derartige Infozettel verstauben.

Wissenschaftler starteten in den Niederlanden einen Versuch mit über 3500 Hausärzten. Zusammen betreuten diese jährlich mehr als 25 000 Kinder unter zwölf Jahren. Die Hälfte der Kollegen sollte zwischen November 2015 und Juni 2016 die Eltern ihrer kleinen Patienten mithilfe eines interaktiven Booklets über das Fieber beraten – die anderen gingen vor wie gewohnt.

Primärer Endpunkt war die Rate der Antibiotikaverschreibungen nach acht Monaten. Das interaktive Zusatzmaterial diente dazu, krankheitsrelevante Fakten zu vermitteln, ermöglichte die Diskussion auf Augenhöhe und sollte den Eltern Sicherheit geben. Es umfasste:

  • ein symptombezogenes generelles Fieber-Ampel-System zum Erkennen gefährlicher Krankheitsverläufe
  • Informationen über Nutzen und Risiken von Antibiotika
  • einen Überblick über die natürliche Dauer gängiger Infektionen
  • Schemata zur gewichtsadaptierten Paracetamol-Dosierung
  • Informationen über Fieberkrämpfe und Hautausschläge

Das ernüchternde Ergebnis: Nur bei 28,5 % der insgesamt 11 945 Konsultationen hatten die Kollegen aus der Interventionsgruppe die Broschüre zu Hilfe genommen.

Gut informierte Eltern kamen seltener wieder in die Praxis

Interventions- und Kontrollgruppe unterschieden sich bezüglich der Rate an Verordnungen nur marginal (23,5 vs. 25,2 %). Bezog man nur die adhärenten Ärzte in die Auswertung mit ein, gingen die Verschreibungen mit dem Booklet auf 21,9 % zurück. Auch andere Medikamente verordneten diese Kollegen weniger. Die mit der Broschüre beratenen Eltern schienen über die Situation der Kinder besser aufgeklärt und kamen seltener ein zweites Mal wegen ähnlicher Krankheiten.

Quelle: de Bont EGPM et al. Ann Fam Med 2018; 16: 314-332