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Aortenklappenersatz: Katheter gefährdet Hirn und Leben auch langfristig nicht

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Ob mittels Katheter (siehe Bild) oder am offenen Herzen macht keinen großen Unterschied. Ob mittels Katheter (siehe Bild) oder am offenen Herzen macht keinen großen Unterschied. © iStock/ChaNaWiT
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Was sich nach zwei Jahren schon abzeichnete, bestätigen jetzt Fünfjahresdaten: Der kathetergestützte Aortenklappenersatz hat nicht mehr schwerwiegende Komplikationen als die offene OP.

Neue Aortenklappen halten lange, was sie versprechen, egal ob sie kathetergestützt oder offen chirurgisch eingesetzt wurden. Das zeigten bereits Auswertungen nach zwei Jahren, und das Team um Dr. Raj R. Makkar vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles konnte diese Ergebnisse jetzt mit 5-Jahresdaten aus der gleichen Studie untermauern.

Besser transfemoral als transthorakal einführen

In der ursprünglichen Untersuchung waren rund 2000 Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenklappenstenose und mäßigem OP-Risiko randomisiert einem von zwei Verfahren zum Klappenersatz zugewiesen worden: dem klassischen Eingriff am offenen Herzen oder der Katheterintervention (transcatheter aortic valve implantation, TAVI). Die TAVI erfolgte über einen transfemoralen Zugang (gut drei Viertel der Gruppe) oder transthorakal. Nach zwei Jahren lagen die Raten an Verstorbenen und Patienten mit schwerem Schlaganfall auf vergleichbarem Niveau (kombinierter primärer Endpunkt).

Ähnliche Verhältnisse fand nun die aktuelle Auswertung. Den primären Endpunkt erlitten 43,4 % der Operierten und 47,9 % der TAVI-Patienten. In der separaten Betrachtung nach Zugangsweg lagen chirurgisch Versorgte und trans­femoral TAVI-Behandelte ebenfalls gleichauf (42,0 % vs. 44,5 %). Wenn die Ärzte die Klappe jedoch transthorakal einführten, schnitt die Operation besser ab (48,3 % vs. 59,3 %). Diese Methode wird heute allerdings nur noch selten genutzt, betonen die Autoren.

Es gab noch weitere Outcomes, die für eine Gleichwertigkeit der Verfahren sprachen: Litten zu Beginn noch mehr als drei Viertel der Betroffenen an einer schweren Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III/IV), so galt das nach fünf Jahren nur noch für etwa jeden Zehnten. Und schließlich hatte sich die Lebensqualität, wie die Patienten sie einschätzten, substanziell verbessert, unabhängig von der Art des Eingriffs.

Ergebnisse mit Vorsicht betrachten

Allerdings, so die Wissenschaftler, mussten TAVI-Patienten nach der Erstintervention häufiger wegen kardialer Probleme erneut ins Krankenhaus (etwa ein Drittel vs. ein Viertel der Operierten). Zweiteingriffe wurden aber in beiden Gruppen nur selten erforderlich, auch wenn das Herz­echo nach TAVI deutlich öfter eine Regurgitation durch die neue Klappe zeigte (33,3 % vs. 6,3 %).

Das Team warnt jedoch davor, die Ergebnisse zu verallgemeinern: So waren die Studienteilnehmer oft hochbetagt (im Schnitt 81 Jahre) – jüngere Kranke, die ganz andere Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit stellen, könnten etwa die Lebensqualität ganz anders beurteilen.

Quelle: Makkar RR et al. N Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1910555


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