Auch Hausärzte können Depressionen behandeln

Autor: Maria Fett

Hausärzte erreichen mehr Betroffene: Hohe Remissionsraten bei Depressionen auch ohne Fachtitel. © iStock/asiseeit

Vielleicht sollten Ärzte mit der Approbation den Zusatztitel eines psychologischen Therapeuten erhalten. Depressive Störungen scheinen sie gut behandeln zu können.

Insgeheim mag sich mancher Hausarzt als Seelentröster betrachten, wenn Patienten neben den körperlichen Beschwerden auch ihre psychischen Leiden mit ins Sprechzimmer bringen. Es wird sich zwar selten um eine schwere Depression handeln – trotzdem können die Betroffenen gleich sitzen bleiben. Wie Kollegen um Dr. Manish K. Jha vom UT Southwestern Medical Center in Dallas jetzt herausgefunden haben, besitzen viele depressive Patienten unter hausärztlicher Pharmakotherapie wohl gute Chancen auf Heilung.

Zu diesem Ergebnis gelangten die Forscher durch eine retrospektive Analyse der Daten von 25 000 Patienten aus dem Qualitätsverbesserungsprojekt VitalSign6. Grundlage der noch laufenden Studie bilden webbasierte Anwendungen, die Allgemeinmediziner für Screening, Diagnostik und Monitoring depressiver Erkrankungen unterstützen sollen.

Die Teilnehmer wurden zunächst über zwei Fragen auf eine Depression gescreent. Für 17,3 % fiel das Ergebnis positiv aus. Anschließend explorierten die Kollegen der 16 teilnehmenden Arztpraxen jene 4325 Personen eingehender und diagnostizierten bei 56,1 % eine depressive Störung. Drei von vier mit moderat bis schweren Symptomen.

Heilungsraten von bis zu 42 %

Etwa 2100 Patienten starteten in eine mindestens 18-wöchige Therapie, wovon 6,4 % an externe Experten überwiesen wurden. Rund zwei Drittel nahmen unter allgemeinärztlicher Aufsicht Psychopharmaka ein. Während der Behandlung erschienen 30,2 %, 12,6 % bzw. 11,6 % der medikamentös Behandelten zu einer, zwei oder mindestens drei Nachkontrollen. Betrachtet man die Remissionsraten, zeigte sich, dass bei drei oder mehr Arztbesuchen die besten Heilungschancen bestehen (41,7 % vs. 20,3 % bei nur einem Termin).

Quelle: Jha MK et al. Ann Fam Med 2019; 17: 326-335