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Basalzellkarzinom Behandeln oder zuwarten?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Bevor die aktive Überwachung beim Basalzellkarzinom als Therapieoption empfohlen werden kann, ist es laut den Autoren noch ein langer Weg. Bevor die aktive Überwachung beim Basalzellkarzinom als Therapieoption empfohlen werden kann, ist es laut den Autoren noch ein langer Weg. © iStock/OGphoto
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Nicht jedes Basalzellkarzinom muss therapiert werden. Insbesondere bei nodulären oder superfiziellen Tumoren sowie einer eingeschränkten Lebenserwartung könnte ein abwartendes Vorgehen gerechtfertigt sein.

Bei der Behandlung des Basalzellkarzinoms (BCC) gilt es, sowohl eine Über- als auch eine Untertherapie zu vermeiden. Dr. Marieke van Winden, Dermatologin an der Radboud Universität Nijmegen und Kollegen gingen der Frage nach, warum Patienten sich im Einzelfall für die Strategie des „Watchful Waiting“ entscheiden und welchen Spontanverlauf die Erkrankung bei ihnen nimmt. Das Kollektiv der retrospektiven, monozentrischen Studie bildeten 89 Senioren im medianen Alter von 83 Jahren, deren 280 Basalzellkarzinome über mindestens drei Monate lediglich beobachtet worden waren.

Die Entscheidung gegen eine sofortige Tumortherapie wurde in 83 % der Fälle aufgrund patientenbezogener und in 55 % der Fälle aufgrund tumorbezogener Faktoren getroffen. Dazu gehörten:

  • Priorisierung von Komorbiditäten,
  • starke Gebrechlichkeit,
  • reduzierte Lebenserwartung und
  • aktuell zu viele Stressoren sowie
  • Asymptomatik des BCC,
  • langsames Tumorwachstum und
  • geringe Tumorgröße

35 bzw. 46 % der Betroffenen scheuten die Therapiebelastungen bzw. die mit der Behandlung verbundenen Umstände.

Bei 47 % der Basalzellkarzinome registrierten die Forscher im Verlauf der Nachbeobachtungszeit (median neun Monate) ein Größenwachstum. Am stärksten wuchsen dabei Hochrisiko-Subtypen wie mikronoduläre und infiltrative Tumoren. Etwa zwei Drittel der Patienten entschieden sich im Verlauf für eine Tumortherapie. Die Hauptgründe hierfür waren die (potenzielle) Tumorlast sowie eine Veränderung der für ein Watchful Waiting ausschlaggebenden Situation.

Es sind noch einige Fragen zu beantworten

Bevor die aktive Überwachung beim Basalzellkarzinom als Therapieoption empfohlen werden kann, ist es noch ein langer Weg, meint Professor Dr. Mackenzie Wehner vom MD Anderson Cancer Center in Houston. Prospektive Studien müssten Antworten auf die folgenden Fragen liefern:

  • Wie lassen sich die Patienten identifizieren, die von einem abwartenden Vorgehen profitieren?
  • Welche Neoplasien/ Konstellationen eignen sich für diese Option?
  • Wie häufig sind klinische Kontrollen erforderlich?

Letztendlich sei die Behandlung kutaner BCC im Vergleich zu anderen Krebsarten aufgrund der Tumorlokalisation oft relativ unkompliziert, was ein Abwarten zwar nicht ausschließe, aber abgewogen werden müsse. Gleichzeitig stellen die meist gut sichtbaren Basalzellkarzinome ideale Kandidaten für ein beobachtendes Vorgehen dar.

Quellen:
1. van Winden MEC et al. JAMA Dermatol 2021; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.3020
2. Wehner MR. A.a.O.; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.3019

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