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Herzinsuffizienz Bei schwacher Pumpe auch an die Psyche denken

Autor: Bianca Lorenz

Meist beschränkt sich die Therapie nur auf das schwache Herz. Meist beschränkt sich die Therapie nur auf das schwache Herz. © eddows – stock.adobe.com
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Bei Herzinsuffizienz konzentriert sich die Behandlung oft allein auf die organische Funktion. Europäische Psychokardiologen fordern nun, im klinischen Alltag auch die seelische Komponente in den Blick zu nehmen.

Ein Herzinfarkt oder ein unbehandelter Bluthochdruck können den Herzmuskel dauerhaft schädigen. Das beeinträchtigt die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Herz verliert so seine Pumpkraft. Eine chronische Herzschwäche droht. In Deutschland gibt es hiervon vier Millionen Betroffene. Ihre Lebensqualität ist durch Luftnot, Müdigkeit und geringere Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Auch Wassereinlagerungen in den Beinen können zur Belastung werden. „Patienten mit Herzinsuffizienz haben aber nicht nur körperliche, sondern meist auch erhebliche seelische Probleme.

Psyche mit berücksichtigen

Psychosoziale Risikofaktoren wie Depression sowie soziale Isolation, Einsamkeit und traumatische Effekte aufgrund der Erkrankung werden häufig nicht ausreichend bei der Behandlung dieser Patienten berücksichtigt“, sagt der Experte für Psychokardiologie Prof. Dr. med. Karl-Heinz Ladwig vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Prof. für psychosomatische Medizin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Er und seine 11 europäischen Kollegen, allesamt hochrangige Wissenschaftler u.a. mit psychokardiologischer Expertise, wollen das ändern. Sie fordern, diese psychosozialen Faktoren viel mehr in die Therapie zu integrieren. Im Auftrag der Europäischen Gesellschaft für präventive Kardiologie (European Association of Preventive Cardiology) haben sie in einem Positionspapier den wissenschaftlichen Stand und die klinische Bedeutung psychosozialer Fragen für das Krankheitsbild Herzinsuffizienz erarbeitet.

Depression und Einsamkeit – Ursache und Folge

Oft unterschätzt wird, dass auch psychosoziale Risikofaktoren eine Rolle spielen, wenn eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie dann verläuft. „Insbesondere die Depression und soziale Isolation/Einsamkeit sind als Faktoren, die eine Herzinsuffizienz begünstigen, durch zahlreiche Studien belegt. Sie werden aber im klinischen Alltag ungenügend berücksichtigt“, gibt Prof. Ladwig zu bedenken. „Häufig nimmt die Herzschwäche einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf. Das fördert bei den Patienten wiederum Episoden von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die erheblich belasten.“ Ein Teufelskreis.

Auf die seelischen Komplikationen der Herzinsuffizienz zu achten und die Patienten psychologisch zu betreuen, so Ladwig, sollte daher fester Bestandteil der Therapie sein. Die Autoren und Autorinnen des Positionspapiers weisen außerdem darauf hin, dass die Depression und andere psychosoziale Stressfaktoren über verschiedene biologische Vermittlungswege (u. a. Ausschüttung von Hormonen und neuro-endokrinen Entzündungsstoffen) zu einer weiteren Verschlechterung der Herzinsuffizienz beitragen können.

Telemedizin und neue Gesprächstechniken

Die Herzfunktion kann sich bei dieser Erkrankung schnell verschlechtern. Auch Krankenhauseinweisungen sind dann oft nötig. Patienten empfinden dies als lebensbedrohlich, was die Psyche zusätzlich belastet. „Dieser unsicheren Situation begegnen Patienten häufig mit einem Ohnmachtsgefühl, sie beginnen, die Krankheitsrealität zu verleugnen. Das wiederum erschwert die Mitarbeit der Patienten deutlich“, berichtet Prof. Ladwig. Psychologische Gesprächstechniken können dieses selbstschädigende Verhalten ändern. Die Experten des Positionspapiers ermutigen ihre Kollegen deshalb dazu, auch telemedizinische Betreuungskonzepte zu nutzen, wenngleich die persönliche Begegnung von Patient und Arzt nicht zu ersetzen ist.

Kognitive Verhaltenstherapie und Bewegung

Psychopharmaka und eine klassische Psychotherapie zeigt keine bis mäßige Erfolge. Laut Wissenschaftlern ist eine aus körperlichen Bewegungsprogrammen mit kognitiver Verhaltenstherapie zielführender. „Damit lassen sich im Gespräch mit dem Verhaltenstherapeuten negative Denkmuster und Defizite in der Wahrnehmung abbauen. Körperliches Training verbessert die Durchblutung in Gehirn und Muskulatur und stärkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit der Patienten“, erklärt Prof. Ladwig. All das kombiniert wirke sich günstig auf die Depression und ihre Symptome wie verminderte Konzentrationsfähigkeit und Schlaflosigkeit aus.

Das gilt Ladwig zufolge ganz besonders auch für die vielen Patienten mit Herzinsuffizienz, die einen implantierbaren Defibrillator benötigen. „Die psychologische Unterstützung dieser Patienten und ihrer Angehörigen muss integraler Bestandteil des langfristigen Behandlungsplans werden“, so die Forderung des Wissenschaftlerteams im Positionspapier. Darüber hinaus sollte man schon zu einem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten palliativen Versorgung mit den Patienten, den betreuenden Angehörigen und dem medizinisch-pflegerischen Personal besprechen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 25.2.2022

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