Bergurlauber müssen Tränenfilm und Cornea schützen

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Trübe Aussicht: Das Hornhaut­ödem nimmt mit der Höhe weiter zu (links). Und auch bei der Schneeblindheit sieht das Auge nicht besser aus (rechts). © augeninfo.de; wikimedia/Eddie314

Aufenthalte in großer Höhe können ins Auge gehen – wenn man sich nicht adäquat gegen UV-Strahlung, Kälte & Co. schützt. Bergtourer sollten sich eine gute Sonnenbrille leisten und stets Augentropfen im Rucksack haben.

Eine Bergtour setzt das Auge unter Stress. Insbesondere auf die Oberfläche mit Cornea und Tränenfilm können UV-Strahlung, Kälte, trockene Luft und Sauerstoffmangel eine schädigende Wirkung haben – bis hin zur Beeinträchtigung der Sehfähigkeit.

Einer Studie zufolge steigt bereits während eines vorübergehenden Aufenthalts in Höhen knapp über 4500 m aufgrund der relativ niedrigen Luftfeuchtigkeit die Verduns­tungsrate der Tränenflüssigkeit, beschreiben Privatdozent Dr. ­Gabriel Willmann und Professor Dr. ­Florian Gekeler, beide vom Katharinenhospital Stuttgart.

Der daraus resultierende instabile Tränenfilm kann die Netzhaut nicht mehr optimal befeuchten und somit auch seine Schutzfunktion und die Versorgung der äußeren Hornhautschichten mit ausreichend Sauerstoff nicht mehr gewährleisten. Damit es erst gar nicht zu einer Keratokonjunktivitis sicca kommt, sollte jeder Bergsteiger während der Tour mehrmals täglich Tränenersatzmittel verwenden, empfehlen die beiden Augenärzte.

Bergsteiger nehmen die Schwellung meist nicht wahr

Infolge der höhenbedingten Hypoxie kommt es zu einer Minderversorgung der äußeren Hornhautschicht mit Sauerstoff und schließlich zu einem Hornhautödem, das mit der Höhe zunimmt. Der Bergsteiger nimmt die Hornhautschwellung meist nicht wahr. Erst in Höhen ab 7000 m droht eine starke Sehbeeinträchtigung und der Betroffene sieht verschwommen. Bei Verdacht auf ein Hornhautödem können dann hypertone Augentropfen das osmotische Gleichgewicht wiederherstellen.

Höhenbergsteiger und Trekker haben zur Prophylaxe der akuten Bergkrankheit oft Acetazolamid im Gepäck. Aufgrund der möglichen negativen Auswirkungen des Car­boanhydrasehemmers auf das Hornhautendothel raten die Autoren insbesondere bei endothelialen Erkrankungen wie z.B. der Fuchs‘schen Endotheldystrophie aber von dessen Gebrauch ab.

Photokeratitis droht schon nach zwei Stunden

Bereits ein zweistündiger Aufenthalt im schneebedeckten Hochgebirge kann zu einer Photokeratitis, auch „Schneeblindheit“ genannt, führen, die sich u.a. durch Schmerzen, Sehminderung, Epiphora und unkontrolliertes Blinzeln bemerkbar macht. Das kann durch das Tragen einer Sonnenbrille mit Seitenschutz und antireflektiver Beschichtung oder Kontaktlinsen mit entsprechendem UV-Filter wirksam vermieden werden. Als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Photokeratitis eignen sich Tränenersatzmittel, topische Antibio­tika, topische Steroide sowie orale Schmerzmittel.

Quelle: Willmann G, Gekeler F. Ther Umsch 2017; 74: 564-568


Der Zustand nach einer Photokeratitis. © wikimedia/Eddie314
Das Hornhautödem nimmt mit der Höhe zu. © augeninfo.de