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Kohlenmonoxid-Vergiftung CO, du bedrohliche

Autor: Dr. Dorothea Ranft

In schlecht belüfteten Shisha-Bars kann der Kohlenmonoxidgehalt der Luft gefährlich 
ansteigen. In schlecht belüfteten Shisha-Bars kann der Kohlenmonoxidgehalt der Luft gefährlich ansteigen. © alexkoral – stock.adobe.com
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Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung droht beim Grillen, in der Shisha-Bar oder im Holzpellet-Lager. Als wichtigste lebensrettende Maßnahme gilt die sofortige Sauerstoffgabe. In vielen Fällen genügt eine ambulante Behandlung.

Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei einer unvollständigen Verbrennung unter Sauerstoffmangel. Die Expositionsquellen reichen vom defekten Ofen bis zum Rauchen mit der Wasserpfeife (siehe Kasten). Auch mit einer suizidalen Anwendung ist zu rechnen. Kohlenmonoxid diffundiert durch die Alveolarmembranen der Lunge und bindet mit 230- bis 300-fach höherer Affinität als Sauerstoff an die Eiseneinheit des Hämoglobins. Dadurch wird die O2-Aufnahme blockiert und die Abgabe an die Gewebe verringert.

Auslöser der Vergiftung

  • Schadenfeuer, Industrieunfälle
  • defekte Heizungen, Kamine oder Öfen
  • schlecht belüftete Garage
  • im Haus genutzter Holzkohlengrill
  • Rauchen mit Wasserpfeife
  • Lager für Holzpellets

Besonders gefährdet sind Organe mit niedriger Hypoxietoleranz wie Herz und Gehirn. Die akute Vergiftung manifestiert sich meist mit unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Dyspnoe und Schwindel. Bei schwerem Verlauf drohen unter anderem Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und Angina pectoris (siehe Kasten). 

Zeichen für eine schwere Intoxikation

  • ZNS-Störungen (Bewusstsein, Orientierung), Krampfanfall
  • Angina pectoris, Arrhythmien, pathologische kardiale Biomarker
  • Dyspnoe, Tachypnoe
  • Lungenödem
  • metabolische Azidose
  • hohes CO-Hb bei Expositionsende

Die Diagnose der Kohlenmon­oxid-Vergiftung basiert auf einer Kombination von klinischer Symptomatik, Anamnese und Auffindesituation. Chronische Intoxikationen durch Langzeitexposition lassen sich anhand des Beschwerdebildes nicht von akuten Episoden unterscheiden, heißt es in der Leitlinie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und weiterer Fachgesellschaften­.

CPAP-Beatmung als wirksam erwiesen

Betroffene müssen umgehend unter Eigenschutz aus dem Gefahrenbereich geborgen werden. Als wichtigste lebensrettende Maßnahme sollen Patienten mit Verdacht auf CO-Vergiftung sofort eine 100 % Sauerstoffatmung bzw. -beatmung erhalten. Schon die nicht-invasive Ventilation mit Masken-CPAP ist eine wirksame Maßnahme zur Elimination des Kohlenmonoxids. Studien zufolge verkürzt bereits eine Atmung mit 5–12 mbar die Halbwertszeit des CO-Hämoglobins signifikant. Symptomatische Patienten mit akuter Kohlenmonoxidexposition benötigen eine stationäre Therapie. Auch bei beschwerdefreien Schwangeren und Kindern sollte diese zumindest erwogen werden. Personen ohne Krankheitszeichen mit einem CO-Hb-Gehalt bis zu 5 % dürfen ambulant behandelt werden, für Raucher gilt ein Grenzwert von 10 %. Die klinische Überwachung wird so lange fortgeführt wie Symptome bestehen. Dabei ist zu beachten, dass die Beschwerden nicht mit der CO-Hb-Clearance aus dem Blut korrelieren. Die alleinige Kontrolle dieses Parameters eignet sich also nicht zur Therapiesteuerung. Oberstes Ziel ist die Elimination des Kohlenmonoxids aus dem Körper. Das gilt als erreicht, wenn das CO-Hämoglobin unter 3 % sinkt. Eine Indikation für eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) sehen die Leitlinienautoren bei Zeichen einer schweren Vergiftung. Als solche gelten beispielsweise anhaltende Bewusstseinsstörungen, metabolische Azidose, respiratorische Insuffizienz und kardiale Isch­ämie. Auch Schwangere sollten eine HBOT erhalten. Am besten beginnt­ man mit dieser Behandlung innerhalb der ersten sechs Stunden nach der Intoxikation. Empfohlen wird eine dreimalige Anwendung innerhalb von 24 Stunden. Die Applikation­ erfolgt jeweils über einen Zeitraum von 90 Minuten mit Sauerstoffatmung und nachfolgender sukzessiver Dekompression. Die erste HBOT wird mit 300 kPa Gesamtdruck durchgeführt, die zweite und dritte mit 240 kPa. Die vier Fachgesellschaften DGINA, DGIIN, DGP und GfKT* plädieren in ihrem Sondervotum dafür, Patienten mit CO-Intoxi­kation entweder mit einer hyperbaren oder mit einer normobaren Sauerstofftherapie zu behandeln. Aufgrund fehlender Evidenz sei es noch unklar, ob die HBOT das langfristige neurokognitive Ergebnis verbessert. Wegen der damit verbundenen Risiken (z.B. Barotrauma) sollte die Entscheidung individuell getroffen werden. Als Komplikation der Kohlenmon­oxidvergiftung kann es zu einem verzögert einsetzenden neurologischen Defizit kommen, das sich eventuell erst nach einem symptomfreien Intervall entwickelt. Meist manifestieren sich die Symptome im ersten Monat nach der Intoxikation, in Einzelfällen erst innerhalb des ers­ten Jahres. Typisch sind motorische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Auch Schwindel, Depression und Kopfschmerz können auftreten, ebenso Gedächtnisstörungen bis hin zur Demenz.

Mindestens einen Monat auf kognitive Defizite achten

Sicherheitshalber sollten Patienten mit CO-Intoxikation vier bis sechs Wochen nach dem Ereignis auf kognitive Folgeschäden untersucht werden. Bei entsprechenden Hinweisen ist eine kardiologische Kontrolle sinnvoll.

* Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin, Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedi­zin, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin und Gesellschaft für Klinische Toxikologie

Quelle: S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Kohlenmonoxidvergiftung“, AWMF-Register-Nr. 040-012, www.awmf.org

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