Colitis ulcerosa: Mit anaerob aufbereiteten Darmmikroben schneller die Remission erreichen

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Patienten mit Colitis ulcerosa können aufatmen: Nur noch drei Stuhltransplantationen sind künftig nötig. © iStock.com/Lars Neumann

Bis zu 40 Stuhltransplantationen brauchten Patienten mit Colitis ulcerosa bisher für eine erfolgreiche Behandlung. Mit der richtigen Präparation der Spenderfaeces können jedoch schon drei ausreichen.

Die klassische Behandlung der Colitis ulcerosa will in erster Linie die überschießende Wirts-Immunabwehr unterdrücken, z.B. mit Glukokortikoiden. Das ist aber möglicherweise zu kurz gedacht, erklären die Gastroenterologin Dr. Colleen­ R. Kelly­ von der Warren Alpert Medical School der Brown University in Providence und Dr. Ashwin­ N. Ananthakrishnan­ vom Massachusetts General Hospital in Boston. Denn der Erkrankung liegen multiple Faktoren zugrunde: Neben der gestörten Immunfunktion spielen Genetik, Umwelteinflüsse und die intestinale Mikrobiota eine Rolle.

An Letzterer setzt der fäkale Mikrobio­tatransfer (FMT) an. Frühere Studien haben den Ansatz erfolgreich geprüft, bisher gestaltet sich das Verfahren aber eher umständlich. Teilweise müssen die Betroffenen acht Wochen lang insgesamt 40-mal behandelt werden. Eine randomisierte Doppelblindstudie hat nun gezeigt, dass auch mit einer geringeren Zahl an Einzeldosen Erfolge erzielt werden können. Für die Untersuchung hat die Arbeitsgruppe um den Gastroenterologen Dr. Samuel­ P. Costello­ vom Queen Elizabeth Hospital im australischen Woodville 73 Patienten mit leichter bis mäßiger Colitis ulcerosa ausgewählt.

Nach dem Zufalls­prinzip erhielten sie per Endoskop bzw. Einlauf insgesamt dreimal über sieben Tage entweder anaerob aufbereiteten gepoolten Stuhl von gesunden Spendern oder standardmäßig vorbereiteten eigenen Stuhl (Kontrolle). Die anaerobe Aufbereitung soll diejenigen Mikroorganismen erhalten, die durch Sauerstoff zerstört werden, für gesunde Verhältnisse im Darm aber wesentlich sein könnten.

Jeder Dritte erreichte ohne Kortikoide eine Remission

Nach acht Wochen erreichten nach anaerob präpariertem FMT deutlich mehr Patienten eine Remission, ohne Glukokortikoide zu benötigen (32 vs. 9 % in der Kontrollgruppe). Bis dahin kam es zu fünf schweren Komplikationen, drei in der Interventions- und zwei in der Kontrollgruppe. Erfolgreiche Eingriffe könnten langfristige Effekte haben: Fünf der zwölf Teilnehmer, die nach acht Wochen eine Remission erreicht hatten, blieben 12 Monate ohne erneuten Schub.

Quellen:
Kelly CR, Ananthakrishnan AN. JAMA 2019; 321: 151-152
Costello SP et al. A.a.O.: 156-164