Medizin und Markt 1A-Award 2019 Autor: MT

Die Esten machen‘s vor: Patienten können mit dem digitalen Rezept in jeder Apotheke ihre Medikamente holen. © iStock/PeopleImages; 1 A Pharma

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens verläuft in Europa uneinheitlich. Während die Esten schon in allen Apotheken das E-Rezept einlösen können und in Dänemark Stationsärzte und Hausärzte eine Patientenkurzakte digital austauschen, wird in deutschen Arztpraxen vieles noch auf Papier erledigt.

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen hinkt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterher – Potenziale für Qualität und Effizienz der Versorgung bleiben ungenutzt“, urteilt die Bertelsmann-Stiftung in ihrer aktuellen Studie „#SmartHealthSystems“. Deutschland liegt auf dem vorletzten Platz, nur Polen ist schlechter.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt die Untersuchung „Gesundheit 4.0“ von Spectaris und Roland Berger. Zitat: „Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen kommt nur schleppend voran. Führend sind derzeit die Niederlande, Dänemark und Schweden. Problematisch sind vor allem die sektorale Trennung und die damit verbundene schlechte Vernetzung von Krankenhäusern, Kliniken und Arztpraxen.“

Andere Länder sind in Sachen verbesserter medizinischer Versorgung schon weiter. Die Bertelsmann-Studie fasst das exemplarisch zusammen. Beispiel Estland: Das elektronische Rezept kann in jeder Apotheke eingelöst werden, Videosprechstunden und Online-Terminvergaben sind inzwischen Routine. Die technische Abdeckung aller digitalen Dienste liegt bei beeindruckenden 100 Prozent.

Ähnlich innovativ geht es in Kanada und Dänemark zu. Seit 18 Jahren koordiniert die Behörde „Canada Health Infoway“ digitale Gesundheitsstrategien und steuert Investments in den Provinzen, einen landesweiten Aktionsplan „Digital Health“ gibt es seit 2013. Dänemark bietet ein zentrales Log-in zu allen digitalen öffentlichen Diensten für Patienten und Ärzte. Ebenfalls im täglichen Einsatz: elektronische Patienten- und Medikationsakte und das elektronische Rezept.

Auch die Menschen in Deutschland wünschen sich, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens zur Chefsache gemacht wird und das Thema an Tempo gewinnt. Dies ergab die Studie „Digital Government Barometer 2018“ von Sopra Steria. Konkrete Wünsche: Vorteile durch Gesundheits-Apps, digitale Diagnosetools und Videosprechstunden, mit denen man zeitaufwendige Arztbesuche vermeiden könnte.

Für die Suche nach Innovationen – digitale, aber auch analoge – wurde der 1 A-Award ins Leben gerufen. Noch bis 31. August können Sie sich bewerben, mit kleinen oder großen Projekten, die die medizinische Versorgung in Deutschland voranbringen.

1A-Award

Was ist der 1A-Award?

Der „1A-Award“ wird an Ärzte und Apotheker für Verbesserungen der medizinischen Versorgung in Deutschland verliehen. Die Auszeichnung geht an erfolgreiche Projekte und Initiativen, die zu einer innovativeren, effizienteren, besseren, günstigeren oder nachhaltigeren medizinischen Versorgung führen oder geführt haben.

Nach welchen Kriterien werden die Gewinner ermittelt?

Eine unabhängige Jury bewertet die Projekte. Das Hauptkriterium: Bewirkt die Idee eine Vereinfachung? Darüber hinaus soll sie zur Verbesserung einer Situation beitragen, in nachhaltiger Art und Weise. Des Weiteren sollte es sich um etwas ganz Neues handeln. Steht dann noch der Nutzen der Idee beziehungsweise Initiative im Vordergrund, könnte eine Nominierung erfolgen. So besteht auch für kleine, sinnvolle Verbesserungen bestehender Prozesse, die eine radikale Vereinfachung bringen, die Möglichkeit, in die engere Wahl zu kommen.

Wie kann man sich bewerben?

Auf der Webseite des 1A-Awards können Sie sich über den Preis und die Bewerbung informieren. Die Frist zur Einreichung der Bewerbungen läuft in diesem Jahr am 31. August ab.

Medical-Tribune-Kooperation – 1 A Pharma