Die Lentigo maligna einfach wegcremen

Autor: Dr. Anna-Lena Krause

Topisch angewandter Immunmodulator offenbar echte Alternative zum Skalpell. © fotolia/ArTo

Eine Lentigo maligna betrifft meist die Kopf- und Halshaut älterer Menschen. Sie herauszuschneiden ist nicht immer unbedingt nötig. Denn der Hautkrebs lässt sich auch mit topischen Mitteln effektiv behandeln.

Die Lentigo maligna (LM) ist ein Melanoma in situ, das in chronisch sonnengeschädigter Haut entstehen kann. Ohne Behandlung droht in 2–5 % der Fälle der Progress zum invasiven Tumor. Die chirurgische Exzision gilt als Therapie der Wahl – aber es gibt auch topische Alternativen. Sie kommen vor allem bei großen Läsionen, ungünstiger Lokalisation oder Komorbiditäten infrage.

Off-label, aber erfolgversprechend

Eine Off-label-Option ist der Immunzell-Stimulator Imiquimod. Für die Behandlung oberflächlicher Basalzellkarzinome, aktinischer Keratosen und Condylomata acumi­nata besitzt er bereits die Zulassung. In aktuellen Studien mit unterschiedlichen Behandlungsschemata ließen sich bei LM Therapieerfolge zwischen 53 und 100 % erzielen.

Laut einer Übersichtsarbeit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Abheilung der LM, je intensiver mit dem Immunmodulator behandelt wurde. Allerdings muss man bei 15–20 % der Patienten mit einem Rezidiv rechnen, berichten Dr. Christina Bürgler und Kollegen von der Universitätsklinik für Dermatologie des Inselspitals in Bern. Zum Vergleich: Nach einer Op. liegt diese Rate bei 4 %.

Die Autoren empfehlen, die 5 %ige Creme ein- bis zweimal täglich aufzutragen, bis eine starke Immunreaktion (nässende, erodierte und verkrustete Haut) auftritt. Eine Okklusion mit Plastikfolie verstärkt den Behandlungserfolg, der sich in der Regel nach zwei bis acht Wochen einstellt. In Einzelfällen kann es aber auch bis zu einem halben Jahr dauern. Eine regelmäßige Nachsorge ist unverzichtbar, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.

Von anderen Cremes erstmal die Finger lassen

Für andere topische Mittel gegen das Melanoma in situ existieren einzelne positive Kasuistiken. Ein Gel mit Ingenolmebutat beispielsweise bewirkte bei einer Patientin mit rezidivierender LM eine komplette Remission. Ähnliche Resultate wurden mithilfe von Retinoiden oder Azelainsäure erzielt. Doch insgesamt stellt sich die Datenlage dazu noch sehr dünn dar, weshalb die Berner Dermatologen derzeit von solchen Anwendungen abraten.

Die Strahlentherapie bietet eine weitere Alternative, eine LM zu therapieren. Laut einer systematischen Übersichtsarbeit liegt hier die Rezidivrate bei durchschnittlich 11,5 %. Nachteil der Radiatio: Sie kann Entzündungen, Narben, Pigmentverlust, Teleangiektasien oder die Bildung eines Plattenepithelkarzinoms zur Folge haben.

Quelle: Bürgler C, Gadaldi K, Hunger RE „Topische Therapiemöglichkeiten bei der Lentigo maligna“ Akt Dermatol 2016; 42: 507-509, DOI 10-1055/s-0042-120109 © Georg Thieme Verlag, Stuttgart