Eibenbaum: Kein therapeutisches Antidot gegen Intoxikation

Autor: Michael Brendler

Eine harmlos aussehende Pflanze, die es leider in sich hat. © wikimedia/Philipp Guttmann

Schon die Kelten wussten um die Giftigkeit des Eibenbaums. 2000 Jahre später lassen es Menschen aber immer noch an der nötigen Vorsicht im Umgang mit der Pflanze fehlen. Besonders gefährlich ist die Intoxikation, weil ein therapeutisches Antidot fehlt.

Ein Herzstillstand aus heiterem Himmel und das mit gerade mal 20 Jahren. Wieso ein junger Mensch sterben musste, konnte sich zunächst keiner erklären. Ein Angehöriger hatte Alarm geschlagen, als der 20-Jährige hinter der Badezimmertür kollabierte. Die Rettungssanitäter versuchten noch zu reanimieren, mit einer extrakorporalen Membranoxygenierung, ECMO, wurde dann in der Klinik das Äußerste probiert. Vergeblich: 24 Stunden nach der Einlieferung steht der Hirntod fest.

Da jegliche Hinweise auf die Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands fehlten, beginnen die Behandler zunächst in Urin und Blutplasma nach einem Toxin zu suchen, berichten Thierry Bonjour­ vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne und Kollegen. Ohne Erfolg. Erst die Rechtsmediziner finden Abbaustoffe des Glykosids Taxicatin. anscheinend hatte der Verstorbene kurz vor seinem Tod Eibe gegessen.

Eigentlich kämen derartige Intoxikationen beim Menschen nur selten vor. Insbesondere Pferde, Kühe und Ziegen fallen den beiden Giften des Baums immer wieder zum Opfer: Taxin A, dessen Derivat Paclitaxel wegen seines antimitotischen Effekts man auch als Krebsmedikament einsetzt, und Taxin B. Letzteres wird Mensch und Tier vor allem durch die negativ ino- und dromotrope Wirkung gefährlich.

Auf Allgemeinsymptome wie Erbrechen, Bauchschmerzen, Krampfanfälle und Mydriasis folgen Bradykardie, Erregungsleitungsstörungen, Abnahme der Kontraktilität, Hypotonie, teilweise auch ventrikuläre Arrhythmien, die in der Kombination schließlich den Herz-Kreislauf-Stillstand bewirken.

Die für einen Erwachsenen tödliche Dosis entspricht 50 Gramm Eibennadeln oder 3 mg Taxin/kgKG, erklären die Autoren, wobei die Nadeln in zerkleinerter oder zerhackter Form fünf Mal stärker wirken. Mangels Antidot sind allein symptomatische Maßnahmen indiziert: Dazu zählen die Gabe von Aktivkohle, wenn nötig auch Antiarrhythmika; bei Bradyarrhythmie raten die Autoren zur elektrischen Stimulation des Herzens. Anzeichen einer akuten Herzinsuffizienz können auch eine positiv inotrope Behandlung notwendig machen.

Weil immer wieder Patienten selbst nach längerem Herzstillstand überleben, ist laut den Experten auch der Einsatz fortgeschrittener Reanimationstechniken wie der extrakorporalen Membranoxygenierung empfehlenswert. Im geschilderten Fall kam diese Hilfe leider zu spät.

Quelle: Bonjour T et al. Swiss Med Forum 2019; 19: 303-305