Eingeschnappter Finger: Die Tendovaginitis stenosans kränkt jede hundertste Hand

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Bringt die Injektion nicht den gewünschten Erfolg, wird der Chirurg es richten. Die Erfolgs aussichten sind mit 93–99 % sehr gut. © iStock.com/BasieB

Wenn Ihr Diabetespatient über einen schmerzhaften schnappenden Finger klagt, sollten Sie an eine Tendovaginitis stenosans denken. Sprechen Anamnese und Klinik für den Triggerfinger, lindert oft bereits eine einzelne lokale Kortisonspritze die Symptome effektiv und nachhaltig.

Etwa 2 % der Allgemeinbevölkerung haben im Verlauf ihres Lebens eine Tendovaginitis stenosans an einem oder mehreren Fingern. Der Triggerfinger – auch schnellender Finger oder Schnappfinger genannt – tritt in der Regel im Alter zwischen 40 und 65 Jahren auf, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen.

Bildgebung nur in Ausnahmefällen nötig

Durch eine Entzündung des Sehnengleitgewebes und der Sehnenscheide über dem Fingergrundgelenk kommt es zu einer Ringbandstenose. Somit kann die betroffene Beugesehne nicht mehr frei gleiten, schreiben der Handchirurg Dr. Michael­ David­, The Royal Orthopeadic Hospital in Birmingham, und Kollegen.

Anfänglich tritt eine schmerzhafte knötchenartige Verdickung am Grundgelenk des betroffenen Fingers (Notta-Knötchen) oder Morgensteifigkeit auf, ohne dass die ruckartige Bewegung vorhanden oder reproduzierbar wäre (Grad 1). Im weiteren Verlauf entsteht beim Beugen oder Strecken des Fingers in Normalposition das teilweise schmerzhafte schnappende Phänomen, das der Patienten erst aktiv (Grad 2), später nur noch passiv demonstrieren kann (Grad 3). Schlimmstenfalls entwickelt sich im späten Stadium der Erkrankung eine interphalangeale Flexionskontraktur (Grad 4).

Warum es zu der Entzündung kommt, bleibt unklar. Fakt ist jedoch, dass bestimmte Faktoren die Entstehung begünstigen (s. Kasten). Doch es gibt auch Pathologien, die die Auslöser „nachahmen“, wie Traumata oder benigne Tumoren.

Diese Faktoren triggern den Finger

  • Diabetes mellitus
  • Karpaltunnel-Syndrom
  • Gicht
  • rheumatoide Arthritis
  • Hypothyreose
  • Akromegalie
  • Nierenerkrankungen
  • Amyloidose
  • Mukopolysaccharidose

Die Diagnose lässt sich relativ einfach anhand der Anamnese und klinischen Untersuchung stellen, sodass nur in Ausnahmefällen bildgebende Verfahren zusätzlich nötig sind. Bestehen klinische Zweifel, bietet die Messung des Sehnendurchmessers mittels Ultraschall Aufschluss. Eine Röntgenaufnahme hilft im Falle von knöchernen Veränderungen z.B. durch frühere Verletzungen, rheumatoide Arthritis oder Skelettdysplasie. Bei jüngeren Patienten eignet sich ein MRT um seltene sekundäre Ursachen auszuschließen.

Therapie der Wahl ist eine lokale einmalige Kortisonspritze am Eingang des Sehnenkanals. Insbesondere in frühen Stadien der Erkrankung sprechen die Patienten gut auf die entzündungshemmende Behandlung an. Laut Studien besteht eine 77–80%ige Erfolgsrate und bei Frauen eine 56%ige Rezidivfreiheit nach zehn Jahren, bei Männern eine 35%ige. Die Methode gilt als sicher, die Morbidität ist verglichen mit einer Operation deutlich geringer und Betroffene können innerhalb kürzester Zeit wieder ihrer Arbeit oder sportlichen Aktivitäten nachgehen (durchschnittlich 3 versus 26 Tage).

Nebenwirkungen wie lokale Schmerzen, Blutergüsse, Fettatrophie und Hautdepigmentierung treten jedoch potenziell auf. Falls die Injektion nicht den gewünschten Erfolg erzielt bzw. ein Rezidiv auftritt, kann die Therapie öfter wiederholt werden. Diabetiker weisen Studien zufolge eine geringere Erfolgsrate auf (52–66 %). Außerdem kommt es bei ihnen nach der Injektion potenziell fünf Tage lang zu erhöhten Glukosewerten.

Dritte Therapieoption: Fingerschiene plus Physio

Eine Alternative könnte nach Fehlschlagen der lokalen Therapie eine perkutane oder offene Operation bieten. Beide Verfahren haben hohe Erfolgsquoten von 93–99 %. Studien zufolge bestehen bei 79 % der Patienten auch zehn Jahre nach einem offenen Eingriff keine Beschwerden.

Potenziell bietet das Tragen einer Fingerschiene über sechs bis neun Wochen mit anschließender Physiotherapie ebenfalls eine Option, die Evidenz dazu ist jedoch gering. Fallberichten zufolge waren im ers­ten Jahr zwischen 66–87 % der Patienten symptomfrei. 

Quelle: David M et al. BMJ 2017; 359; j5285