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Prähabilitation Fit fürs Skalpell

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Auch leichte sportliche Betätigung wie Kraftübungen sind in der Regel Teil des Prähabilitionsprogramms. Auch leichte sportliche Betätigung wie Kraftübungen sind in der Regel Teil des Prähabilitionsprogramms. © iStock/marcduf
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Mit Prähabilitationsmaßnahmen lässt sich der Allgemeinzustand des Patienten und somit auch das Ergebnis einer OP verbessern. Häufig ist es sogar sinnvoll, den chirurgischen Eingriff einige Wochen zu verschieben, um den Betroffenen fit für die Intervention zu machen.

Rund 17 Millionen Menschen in Deutschland müssen sich jedes Jahr einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Häufig weisen sie bereits Vorerkrankungen und einen schlechten Allgemeinzustand auf. Um das Risiko für Komplikationen zu verringern, eignen sich Maßnahmen der Prähabilitation. Umgangssprachlich redet man auch vom „Fitwerden für eine Operation“. 

„Ganz neu ist dieses Konzept nicht, aber es setzt sich erst jetzt langsam durch“, sagte Professor Dr. Natascha­ Nüssler­ von der München Klinik Neuperlach. Der Hintergrund: Der Erfolg eines chir­urgischen Eingriffs bemesse sich nicht nur daran, ob es technisch gelänge, die Erkrankung zu behandeln. Sondern er hänge auch davon ab, wie schnell sich der Betroffene erholt und inwiefern er danach seinen normalen Lebensgewohnheiten nachgehen kann. 

Die Prähabilitation umfasse ein ganzes Bündel an Maßnahmen, vorwiegend aus den Bereichen Psychologie, Ernährungswissenschaften, Diätetik, Ergo- und Physiotherapie. Konkret gehören dazu u.a. sportliche Betätigung, die Optimierung des Ernährungszustands und die Bekämpfung einer Blutarmut. 

Schwer Erkrankte machen sitzend Gymnastikübungen

Vielen gebrechlichen Personen fällt es zwar schwer, körperlich aktiv zu sein, aber selbst geringe Dosen an Bewegung, z.B. Treppensteigen oder Spazierengehen, können einen entscheidenden Unterschied machen. „Für sehr kranke Patienten kann es auch schon ausreichen, Gymnastikübungen auf einem Stuhl durchzuführen“, hob Prof. Nüssler hervor. Das alles verbessere den Allgemeinzustand der Patienten. 

Auch die Ernährung spiele eine entscheidende Rolle, denn vor allem Menschen mit einer Tumorerkrankung seien oft mangelernährt. Auf einige übergewichtige Patienten träfe das ebenfalls zu. Weiterhin leiden viele Krebsbetroffene unter einer Blutarmut, häufig fehle es an Eisen, das substituiert werden sollte. Als weitere Maßnahmen nannte Prof. Nüssler­ die Raucherentwöhnung bzw. zumindest die Verringerung des Tabakkonsums. 

Die Prähabilitation kommt v.a. vor schwereren Eingriffen zum Einsatz – sind die Operationen einfacher, so sei die Notwendigkeit meist nicht gegeben. „Im Moment fokussieren wir uns auf ältere, gebrechliche und vorerkrankte Patienten“, so die Referentin.

Doch es gibt ein Problem. Die Umsetzung erfolgt nicht von heute auf morgen, sondern dauert einige Wochen. Wird den Betroffenen jedoch ein chirurgischer Eingriff empfohlen, so wollen die meisten von ihnen diesen so schnell wie möglich hinter sich bringen. 

Es sei aber häufig sinnvoller, die Operation um mehrere Wochen zu verschieben, um den Allgemeinzustand der Patienten zu optimieren und damit ein besseres Ergebnis zu erzielen. „Nicht zuletzt spart dieses Vorgehen Kosten“, betonte Prof. Nüssler. Da es sich aber um sektorübergreifende Maßnahmen handele, sei das Konzept noch nicht vernünftig abgebildet bzw. refinanziert. Dennoch haben der Expertin zufolge bereits einige Krankenhäuser begonnen, die Prähabilitation umzusetzen.

Quelle: Pressekonferenz – Viszeralmedizin 2021

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