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Fleischverzicht und Neurotizismus: Alles eine Frage der Persönlichkeit?

Autor: Maria Fett

Ernährungsgewohnheiten scheinen anders mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenzuhängen, als bislang angenommen Ernährungsgewohnheiten scheinen anders mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenzuhängen, als bislang angenommen © iStock/Raluca Ioana Cohn
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Ob wir uns vorzugsweise pflanzlich ernähren oder partout nicht auf das abendliche Steak verzichten wollen, ist womöglich in unserer Persönlichkeit verankert. Dies zumindest deutet eine aktuelle Studie an. Dabei räumt sie nebenher mit einigen gängigen Vorurteilen auf.

Vegetarier sind schlank, introvertiert und neigen zu Depressionen: Menschen, bei denen keine oder nur wenige tierische Produkte auf den Teller kommen, müssen sich etliche Vorurteile gefallen lassen. Einige von ihnen basieren sogar auf Studien. Allerdings scheinen Ernährungsgewohnheiten anders mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung zu stehen als lange Zeit angenommen, schreiben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Niedrigerer BMI bei pflanzenbasierter Kost

Für ihre Arbeit hatte das Team um Evelyn Medawar Daten von fast 9000 Probanden zwischen 18 und 80 Jahren analysiert. Dabei lag der Fokus zunächst auf der Frage, wie sich eine fleischreduzierte Ernährung auf den BMI auswirkt. Die Antwort: positiv. Eine pflanzenbasierte Kost ging unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildung mit einem niedrigeren BMI einher.

Grund dafür könnte eine geringere Gesamtenergiemenge sein, die Vegetarier und Veganer im Vergleich zu Fleischliebhabern zu sich nehmen. Sie greifen seltener zu verarbeiteten, fett- und zuckerreichen Produkten und nehmen gleichzeitig mehr sättigende Ballaststoffe auf, die großzügig in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Dass auch Lebensstilfaktoren wie Sport und ein größeres Gesundheitsbewusstsein bei Vegetariern/Veganern eine Rolle spielen, schließen die Autoren nicht aus.

Interessant war zudem, dass der BMI von der Art der tierischen Lebensmittel abzuhängen schien. Die Forscher ließen die Studienteilnehmer nämlich nicht nur angeben, ob und wie häufig Fleisch, Wurst und Fisch, also primäre Tierprodukte, in den vergangenen zwölf Monaten auf dem Speiseplan gestanden hatten. Auch der Konsum der sekundären Lebensmittel Eier und Milch(produkte) wurde abgefragt. In den Analysen ging der Verbrauch primärer Tierprodukte mit einem höheren BMI einher.

Die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Fleischkonsum erwiesen sich als weniger vorhersagbar. In früheren Studien hatten sich wiederholt positive Korrelationen zwischen einer pflanzenbasierten Kost und neurotischem Verhalten gezeigt. In der aktuellen Arbeit war dies dagegen nicht der Fall.

Extrovertierte Fleischesser

Allerdings fand sich eine starke Verbindung zu einer anderen Persönlichkeitsdimension: der Extrovertiertheit. Jene Teilnehmer, die berichteten, dass sie sich vorwiegend pflanzlich ernähren, waren weniger extrovertiert als jene, die häufiger zu Fleisch, Wurst und Fisch griffen.

Kausal erklären lässt sich der Befund zwar nicht, räumen die Wissenschaftler ein. Es sei aber denkbar, dass introvertierte Personen zu einem gezügelteren Essverhalten neigen und sich somit stärker von anderen abgrenzen. Ein weiteres gängiges „Vorurteil“ betrifft die Neigung zu Depressionen, die man Vegetariern und Veganern oft attestiert. Ein solcher Zusammenhang konnte in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht gezeigt werden.

Quelle: Medawar E et al. Nutrients 2020; 12: 1492; DOI: 10.3390/nu12051492

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