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Folgenschwere Lumbalpunktion: Duraleck sorgt für monatelange Kopfschmerzen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Liquorentnahme im Fallbeispiel erfolgte ohne harte Indikation. (Agenturfoto) Die Liquorentnahme im Fallbeispiel erfolgte ohne harte Indikation. (Agenturfoto) © drpilulkin – stock.adobe.com
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Lumbalpunktionen sind in neurologischen Notaufnahmen gang und gäbe. Doch gerade, wenn sie sich nicht einfach gestalten, muss man auch mit teils schweren Komplikationen rechnen.

Eine Liquorpunktion verläuft zumeist unproblematisch oder macht nur vorübergehend Beschwerden. Manchmal kommt es aber doch zu schweren Komplikationen, erinnern Dr. Aleksander Haugstvedt vom Bispebjerg und Frederiksberg Hospital in Kopenhagen und Kollegen.

Sie berichten von einer 29-Jährigen, bei der aufgrund unspezifischer neurologischer Beschwerden – Schwindel sowie Schmerzen und sensorische Störungen in den Beinen – zum Ausschluss einer Infektion eine Lumbalpunktion erfolgte. Allerdings gelang die Liquorentnahme erst nach mehreren erfolglosen Versuchen über eine traumatische 25G-Nadel. Der Befund war unauffällig, die junge Frau wurde entlassen.

Auffälliger Befund von HWS bis Sakrum

Am Folgetag stellte sie sich mit schweren orthostatischen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen erneut vor. Die MRT zeigte eine erhebliche epidurale Liquoransammlung von der Halswirbelsäule bis zum Sakrum, die das Rückenmark mehr oder weniger zirkulär umgab und auch die Nervenwurzeln einbezog. Trotz Bettruhe, Koffein, Schmerzmittel, Antiemetika und Flüssigkeitszufuhr besserten sich die Beschwerden erst nach mehrmaliger Anlage eines epiduralen Blutpatches soweit, dass die Patientin sieben Tage später nach Hause entlassen werden konnte. Fünf Monate später litt sie weiterhin an starken Kopfschmerzen, die bei aufrechter Körperhaltung und bei Belastung zunahmen.

Da die Frau initial weder klinische noch laborchemische Anzeichen einer Infektion aufgewiesen hatte und die neurologische Untersuchung insgesamt unauffällig ausgefallen war, hatte eigentlich keine harte Indikation für die Liquorentnahme bestanden, geben die Kollegen zu bedenken. Aus Angst, eine Meningokokkenmeningitis nicht zeitnah zu diagnostizieren, werde der Eingriff in der Notfallmedizin allerdings großzügig durchgeführt. Die Autoren raten dazu, bei technisch anspruchsvollen Punktionen erfahrene Kollegen hinzuzuziehen.

Quelle: Haugstvedt AF et al. Neurol Res Pract 2020; DOI: 10.1186/s42466-020-00083-z

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