Fortschritte bei der Influenza: Effektive Schnelltests und vielversprechende Therapieansätze

Autor: Manuela Arand

Es gibt Fortschritte bei der Influenza. © iStock/sitox

Effektive Schnelltests können das Influenzamanagement schon heute verbessern. An vielversprechenden Therapieansätzen wird gearbeitet, lassen aber noch auf sich warten.

Die ersten Point-of-Care-Tests auf Influenza, sogenannte Lateral-flow-Assays, ließen noch zu wünschen übrig. Sensitivität und Spezifität entsprachen bei Weitem nicht dem, was für eine solide Strategie gebraucht wird. Inzwischen gibt es eine Reihe PCR-basierter Systeme, die auf Werte von 98 bis 100 % kommen, berichtete Professor Dr. Torsten Bauer von der Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin.

Patienten mit Influenza A und B separieren

Für den Kliniker bedeutet das: Er kann rasch abklären, ob der Patient isoliert gehört und falls ja, in welcher Kohorte. Denn es reicht nicht, Influenzainfizierte von anderen zu trennen, auch Influenza A und B sollten geschieden werden, damit es nicht zur gegenseitigen Ansteckung kommt. „Das Problem der nosokomialen Influenza wird unterschätzt und zu wenig thematisiert“, konstatierte Prof. Bauer.

Die modernen Schnelltests sind gut, aber nicht perfekt. Denn ein Test dauert inklusive Vorbereitung des Probenmaterials 20 bis 30 Minuten und blockiert das Gerät.

Für moderne Schnelltests reicht der Nasenabstrich

Wenn also fünf Patienten mit Influenzaverdacht auf einmal in der Rettungsstelle auftauchen, dauert es eben nicht 20 Minuten, sondern fünfmal 20 Minuten, bis alle versorgt sind – sofern die Klinik nicht mehrere der nicht ganz billigen Testgeräte spendiert. Immerhin muss der Arzt den Abstrich nicht mehr hinten im Rachen entnehmen, wo sich die meisten Viren tummeln. Für die Schnelltests reicht ein Nasenabstrich. Auch auf therapeutischer Seite sind Fortschritte zu vermelden. Die bisher verfügbaren Medikamente kranken an dem Pferdefuß, dass sie ihre Wirkung erst entfalten, wenn das Virus die Zelle bereits geentert hat, erklärte Prof. Bauer. Amantadin wirkt in der Zelle, Neuraminidasehemmer sogar erst beim Austritt der Viren. Dann ist es zu spät, um den Zelltod noch abzuwenden. Die alveolären Epithelzellen gehen reihenweise verloren und damit – temporär – ein Teil der Gasaustauschfläche.

Die Forschung richtet sich jetzt auf das Hämagglutinin, an dem die Viren andocken, um in die Zellen zu gelangen. Gerade erst haben Forscher aus den Niederlanden eine Versuchsreihe publiziert, in der sie Mäuse mit einem kleinmolekularen Fusionsinhibitor vor der Influenza schützen konnten.1 Der Trick dabei: Der Inhibitor zielt auf den „Stamm“ des pilzförmigen Hämagglutinins. Die nach den herkömmlichen saisonalen Impfungen gebildeten Antikörper greifen dagegen den Kopf des Moleküls an.

Warten auf die Humanstudien

Dieser verändert sich ständig – ein Grund, dass jedes Jahr ein neuer Impfstoff gebraucht wird. Der Stamm dagegen ist relativ stabil, aber schwerer zugänglich.

„Mäuse lügen“, meinte Prof. Bauer. Sprich: Was im Mausversuch funktioniert, muss beim Menschen noch lange nicht klappen. Insofern bleibt abzuwarten, wie sich der Fusionsinhibitor macht, wenn es in die Humanstudien geht.

Achtung, Aspergillenalarm!

Dass Patienten mit Influenza zu bakteriellen Superinfektionen neigen, hat jeder auf dem Schirm. Dass sich aber auch pathogene Pilze aufpfropfen können, ist selbst Experten nicht so geläufig. „Vor fünf Jahren hätte ich gesagt: Invasive Aspergillosen sind extrem selten, so etwas bekommen nur maximal immunsupprimierte Patienten“, sagte Professor Dr. Michael Dreher, Medizinische Klinik V der RWTH Aachen. „Wir haben aber lernen müssen, dass kritisch kranke Patienten mi Influenza häufig eine IPA haben, wenn wir danach suchen.“ Eine retrospektive Analyse samt Literaturreview kommt zu dem Schluss, dass eine ausgeprägte Leukozytose im Diffblutbild und pilztypische CT-Befunde (multiple Infiltrate oder Kavernen), aber auch die Steroidgabe nach Aufnahme auf Intensivstation Risikofaktoren für eine IPA darstellen.2 „Wir verfahren inzwischen extrem kritisch mit der Steroidgabe bei Influenza“, betonte Prof. Dreher.

Mit der antifungalen Therapie sollte man dagegen nicht zögern. Denn jeder Tag, der ohne spezifische Therapie vergeht, kostet den Patienten Überlebenschancen. Und die stehen ohnehin nicht gut: Intensivpflichtige Influenzapatienten mit IPA haben ein doppelt so hohes Sterberisiko wie jene, die „nur“ eine schwere Virusgrippe aufweisen.

2. Huang L et al. Clin Respir J 2019; DOI: 10.1111/crj12995

Die Entwicklung des „kleinen Moleküls“ geht auf Forschungen mit so genannten „broadly neutralizing antibodies“ zurück. Diese Antikörper werden seit einigen Jahren erforscht, richten sich ebenfalls gegen den Hämagglutinin-Stamm und können die Influenzaviren ebenso aus der Zelle halten wie der Fusionsinhibitor. Und zwar alle Influenzaviren, nicht nur einzelne Stämme. Sie könnten die Basis für eine Universalvakzine gegen Influenza legen, eignen sich aber derzeit natürlich nur zur passiven Immunisierung. 

Quellen:
60. Kongress der DGP*
1. van Dongen MJP et al. Science 2019; 363: eaar6221

*Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.