Anzeige

Hämophilie A Gentherapie rückt näher

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Erste Pilotstudien zeigten die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlung. Erste Pilotstudien zeigten die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlung. © iStock/ismagilov
Anzeige

Die Gentherapie der Hämophilie ließ in einer Phase-3-Studie den Spiegel von Faktor VIII von ≤1 IU/dl auf im Mittel über 40 IU/dl steigen. Eine monatliche Injektion des Faktor-VIII-Gens kann Blutern dadurch bis zu 150 Infusionen im Monat ersparen.

Trotz besserer Behandlungsmöglichkeiten der Hämophilie A ist die Lebensqualität der Betroffenen eingeschränkt. Hämorrhagien lassen sich nicht sicher verhindern, Sport ist nur in Maßen möglich, und die immer noch auftretenden Gelenkblutungen sind überaus schmerzhaft. Das könnte sich ändern: Vor einiger Zeit gelang es Forschern, das Faktor- VIII-Gen über einen viralen, den Adenoviren ähnlichen Transportvektor einzubringen; erste Pilotstudien zeigten die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlung.

Faktor-VIII-Aktivität stieg auf über 40 IU/dl

In einer Phase-3-Studie wurde die Gentherapie mit dem Präparat Valoctocogen Roxaparvovec an 134 Männern mit schwerer Hämophilie A (Faktor-VIII-Aktivität maximal 1 IU/dl) getestet, berichten Dr. Margareth Ozelo von der School of Medical Sciences der University of Campinas und Kollegen. Jedem der Patienten infundierten die Ärzte einmalig 6x1013 Vektorgenom/kg. In den Wochen 49 bis 52 nach Verabreichung ließ sich bei den 132 auswertbaren Fällen eine deutliche, im Mittel auf 41,9 IU/dl gesteigerte Faktor-VIII-Aktivität nachweisen. Bei 112 Probanden aus einer früheren Studie hatte durch die Gentherapie die jährliche Verwendung von Faktor-VIII-Präparaten auf nahezu Null abgenommen, behandlungsbedürftige Blutungen um immerhin mehr als vier Fünftel.

Alle Teilnehmer entwickelten mindestens eine Nebenwirkung. Dabei traten vor allem Kopfschmerzen und Übelkeit auf. Bei 22 der Probanden entwickelten sich schwere Nebenwirkungen, fünf davon hingen wahrscheinlich mit dem Präparat zusammen. Insgesamt am häufigsten kam es zu Anstiegen der Alanin-Aminotransferase-Konzentration (bei knapp 86 %), die mit Immunsuppressiva behandelt wurden. Alle Patienten erholten sich folgenlos. In keinem Fall entwickelten sich Antikörper gegen Faktor VIII, Thrombosen traten ebenfalls nicht auf. Bestätigen sich diese Daten, so könnte man einem Patienten, der derzeit drei Faktor-VIII-Infusionen pro Woche erhält, mit einer einzigen jährlichen Gabe von Valoctocogen Roxaparvovec 150 Infusionen ersparen, ohne dass eine Blutung aufträte, rechnet Dr. Courtney Thornburg vom Rady Children’s Hospital in San Diego in ihrem Editorial vor.

Test bei HIV-Patienten und Kindern steht noch aus

Allerdings müssen die behandelten Männer weiter beobachtet werden, um die durchschnittliche Wirkdauer der Therapie herauszufinden und eventuellen selteneren Nebenwirkungen auf die Spur zu kommen. Und schließlich sollte das Präparat auch in den Gruppen getestet werden, die von der jetzigen Phase-3-Studie ausgeschlossen waren. Dazu gehören beispielsweise Kinder, Patienten mit HIV-Infektion und Leberkranke.

Quellen:
1. Ozelo MC et al. N Engl J Med 2022; 386: 1013-1025; DOI: 10.1056/NEJMoa2113708
2. Thornburg CD. N Engl J Med 2022; 386: 1081-1082; DOI: 10.1056/NEJMe2200878

Anzeige