Gesättigte Fette sind nicht generell böse

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Die Autoren kritisieren die Fokussierung auf das Cholesterin als Endpunkt. © iStock/Naeblys

Finger weg von den gesättigten Fettsäuren, rät die WHO. So pauschal sollte die Empfehlung aber nicht ausfallen, monieren Ärzte. Aus dem Anstieg des LDL ließe sich jedenfalls keine direkte Gefahr für Herz und Kreislauf ableiten.

Ja, die meisten Menschen wissen, dass industriell hergestellte Transfette nicht auf den Speiseplan gehören, Stichwort KHK. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht noch einen Schritt weiter und empfiehlt, den Anteil gesättigter Fettsäuren an der gesamten Energieaufnahme auf unter 10 % zu drücken. Stattdessen sollte zu einfach bzw. mehrfach ungesättigten Vertretern gegriffen werden. Dieser Rat geht zwar in die richtige Richtung, lässt aber völlig außer Acht, dass die gesundheitlichen Effekte mit der Art der gesättigten Säuren und ihrer Nahrungsquelle variieren, bemängeln Dr. Arne Astrup vom Department of Nutrition, Exercise and Sport der Universität Kopenhagen und Kollegen. Milch und Fleischprodukte z.B. zeigen ganz unterschiedliche Zusammensetzungen.

Ein Blick in die Literatur hilft nur bedingt. 2015 stellte ein Cochrane-Review fest, dass ein verringerter Konsum „böser“ Fette die Rate kardiovaskulärer Ereignisse senkte. Allerdings blieb die Reduktion ohne Einfluss auf Mortalität, Myokardinfarkte, Schlaganfälle oder KHK. Jüngere Studien und Metaanalysen fanden gar keine Zusammenhänge mehr.

Die Autoren kritisieren auch die Fokussierung auf das Cholesterin als Endpunkt. So kann das LDL durchaus in die Irre führen. Seine Atherogenität hängt u.a. von der Partikelgröße ab: je kleiner, umso gefährlicher. Man weiß aber, dass ein erhöhtes LDL nach Verzehr gesättigter Fettsäuren mit einem Anwachsen der Partikelgröße einhergeht. Es lässt sich also daraus nicht direkt eine größere Gefahr für Herz und Kreislauf ableiten. Dazu kommt: Klettert das LDL durch diese Nahrungsbestandteile, steigt auch das HDL, während Triglyzeride abfallen und das Verhältnis von Apolipoprotein B:A kleiner wird. Und schließlich mindert die immer wieder beschworene mediterrane Diät das kardiovaskuläre Risiko ganz ohne Änderungen im LDL.

Die Kollegen empfehlen daher zusammenfassend, die Ratschläge zu einer gesunden Ernährung mehr auf das Lebensmittel insgesamt zu fokussieren. Sonst besteht die Gefahr, dass der Trend immer mehr in Richtung fettfrei, aber reich an Stärke und Zucker geht.

Quelle: Astrup A et al. BMJ 2019; 366: l4137; doi: doi.org/10.1136/bmj.l4137