Geschmacksstörungen nach Chemotherapie: Essen wieder schmackhaft machen

Autor: Maria Weiß

Geschmacks- und Geruchstraining soll das objektives Empfinden verbessern. © iStock/vm

Zwei von drei Krebspatienten klagen während und nach einer Chemotherapie über Geschmacksstörungen, die zu einer Mangelernährung beitragen können. In der TASTE-Studie sollte nun geprüft werden, wie sich das Geschmacksempfinden der Betroffenen wieder verbessern lässt.

Alles schmeckt irgendwie nur noch nach Mehlpampe. Diese Klage hört man relativ häufig von Krebspatienten. Auch wenn eine Geschmacksstörung keine direkt lebensbedrohliche Nebenwirkung ist, kann sie sich doch sehr negativ auswirken, sagte Julia von ­Grundherr, Ernährungsberaterin und Diätassistentin am Universitären Cancer Center Hamburg (UCCH). Wenn nichts mehr richtig schmeckt, essen die Patienten zumeist auch weniger, was eine ohnehin bei vielen Krebspatienten drohende Mangelernährung noch begünstigen kann.

In der TASTE-Studie (Taste disorders during chemotherapy) wurde erstmals die Verbesserung des Geschmacksempfindens unter einer Chemotherapie durch eine strukturierte Intervention untersucht, berichtete die Referentin. Die Intervention bestand aus einer individuellen Ernährungsberatung in Bezug auf Geschmacksstörungen (z.B. zinkreiche Ernährung) sowie einem kombinierten Geschmacks- und Geruchstraining (z.B. mit Duftstiften mit Zitronen- und Nelkengeruch).

Die Chemo raubt oftden Geschmack

Das veränderte Geschmacksempfinden hängt stark von der jeweiligen Tumorentität und der applizierten Chemotherapie ab. Die höchsten Raten an Geschmackseinschränkungen findet man bei Mammakarzinom, Lungenkrebs und gastrointestinalen Tumoren. Eine fast noch stärkere Korrelation besteht mit der Chemotherapie: Unter Taxanen klagen 75 % der Patienten über Geschmacksstörungen, unter Antimetaboliten ± Platinderivaten 64 % und unter der Kombination von Anthrazyklinen und Alkylanzien 67 %.

Verbesserungen in allen Geschmacksrichtungen

Für die Studie wurden 62 Patienten mit aktiver Krebserkrankung* und Chemotherapie (81 % Kombinationschemotherapie) rekrutiert. Das Geschmacksempfinden wurde objektiv mit „Taste strips“ zu den Kategorien süß, sauer, salzig oder bitter getestet. Wer hierbei eine Geschmackseinschränkung mit einem Wert von ≤ 8 Punkten zeigte, wurde der Interventionsgruppe (n = 30) zugeordnet. Die übrigen Patienten bildeten die Non-Interventionsgruppe. Jedoch klagten auch in diesem Kollektiv 75 % der Teilnehmer über subjektive Geschmacksstörungen.

Primärer Endpunkt war die Besserung des objektiven Geschmacks innerhalb von 12 Wochen um wenigstens zwei „Taste strips“-Punkte bei mindestens 50 % der Patienten in der Interventionsgruppe. Eine Verbesserung um drei Punkte war ein sekundärer Endpunkt.

Das Ergebnis: 92 % der Patienten in der Interventionsgruppe zeigten nach 12 Wochen eine Geschmacksverbesserung um mindestens zwei Punkte, 64 % um mindestens drei Punkte. Die Verbesserung betraf alle vier Geschmacksrichtungen.

Trotz der objektiven Verbesserung im Test änderte sich aber in beiden Gruppen wenig an der subjektiven Geschmackswahrnehmung. Auch die Lebensqualität blieb gleich. Aber: Hatten Patienten eine Verbesserung der objektiven Ge­schmacks­wahr­nehmung um ≥ 3 Punkte erreicht, war auch das subjektive Empfinden besser.

Die Intervention scheint somit kurzfristig zumindest die objektive Geschmackswahrnehmung zu verbessern, resümierte von Grundherr. Zur Bestätigung der Ergebnisse soll jetzt eine multizentrische randomisierte, kontrollierte Studie (­TASTE II) mit 200 Patienten durchgeführt werden.

* Brust-, Lungen-, Ösophagus-, Pankreas-, Magen-, Darmkrebs

Quelle: AGSMO Jahreskongress 2019