Gluten als Ursache von Diabetes?

Autor: Michael Brendler

Eine große Pizza mit Weizenmehl enthält rund 15 g Gluten. © iStock.com/petrenkod

Gluten wird nun auch verdächtigt, für Typ-1-Diabetes verantwortlich zu sein. Laut einer Studie verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko eines Kindes, wenn seine Mutter während der Schwangerschaft mehr als 20 g Weizenkleber pro Tag zu sich genommen hat.

An Gelegenheiten, Gluten zu verteufeln, mangelt es wahrlich nicht. Jetzt vermuten dänische Wissenschaftler, darin den Grund für Diabetes bei Kindern gefunden zu haben. Zwei ähnliche Studien hatten allerdings zuvor vergeblich nach dieser Korrelation gefahndet. Die Theorie von Julie C. Antvorskov vom Bartholin Institut des Kopenhagener Rigshospitalet und ihren Kollegen basiert auf einer Studie aus dem Jahr 2001, in der Forscher in Dänemark beobachteten, dass Kinder mit einem Typ-1-Diabetes später öfter an Zöliakie erkrankten. Antvorskov und ihr Team werteten die Daten von 67 565 dänischen Kindern aus. Die Ernährung der Mütter während der Schwangerschaft war mit Fragebögen erfasst worden.

Tatsächlich schien ein Typ-1-Diabetes beim Nachwuchs wahrscheinlicher, wenn die Mutter viel Gluten konsumiert hatte. Bei mehr als 20 g pro Tag hatten die Kinder doppelt so häufig Typ-1-Diabetes entwickelt als bei Schwangeren mit einem Konsum < 7 g. Die Ergebnisse seien aber statistisch nicht aussagekräftig, betonen die Wissenschaftler und warnen davor, vorschnelle Ernährungsempfehlungen daraus abzuleiten.

Keine voreiligen Warnungen aussprechen!

Auch Maija Miettinen und Professor Dr. Suvi Virtanen vom Nationalen Institut für Gesundheit und Fürsorge in Helsinki warnen in einem begleitenden Kommentar davor, bei Schwangeren vorschnell die Ernährung umzustellen. Sie äußern ihre Bedenken in drei Punkten:

  1. Der Glutengehalt von kohlenhydratreichen Lebensmitteln ist hoch. Eventuell korreliert die steigende Inzidenz auch mit der ungesunden, kalorienreichen Diät, für die Gluten nur ein Marker wäre.
  2. Nur bestimmte Getreidearten enthalten Gluten. Vielleicht ist auch ein anderer Inhaltsstoff oder die Verarbeitung verantwortlich.
  3. Die glutenhaltige Ernährung einer Schwangeren wird nicht mit der Geburt aufhören. Prä- und postnatale Exposition (über die Muttermilch) sind daher nicht zu unterscheiden. Auch wie Gluten einen Diabetes verursachen könnte, ist derzeit nicht geklärt.

Allerdings solle man die Möglichkeit nicht völlig ignorieren, „dass der massive Konsum von Gluten vielleicht schädlich ist“.

Quellen:
1. Antvorskov JC et al. BMJ 2018; 362: k3547
2. Miettinen ME, Virtanen SM. A.a.O.: k3867