Homöopathie fällt bei akuten Atemwegsinfekten von Kindern durch

Autor: Michael Brendler

Bei Husten und anderen Atemwegsinfekten sollte man nicht gleich auf die kleinen Zuckerkügelchen zurückgreifen. © fotolia/by-studio; fotolia/DoraZett

Drei- bis sechsmal im Jahr erkranken Kinder im Schnitt an einer Infektion der oberen Atemwege. Manche Ärzte bieten in dieser Situation den Patienten homöopathische Globuli an. Und tun ihnen damit laut einem neuen Cochrane-Review keinen Gefallen.

Zwar sind akute Atemwegsinfekte bei Kindern meist ungefährlich und selbstlimitierend. Doch die Symptome können sehr belastend ausfallen. Die üblichen Medikamente hätten nur eine sehr schwache Wirkung, brächten aber dafür die Gefahr von Nebenwirkungen mit sich, schreiben Forscher um Dr. Kate Hawke von der Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität Queensland in Brisbane. Kein Wunder, dass viele Eltern auf Homöopathika zurückgreifen. Doch über Wirksamkeit sowie Sicherheit bei kleinen Patienten weiß man bisher wenig.

Die Autoren wollten das ändern und haben in einem Cochrane-Review die Studienlage gesichtet. Gefunden haben sie acht Arbeiten mit insgesamt 1562 Patienten im Alter zwischen 0 und 16 Jahren. In vier Untersuchungen wurden individua­lisierte Therapiekonzepte geprüft, in den anderen vier der Präventions­aspekt. Das Ergebnis: „Wir haben keinen Beweis dafür gefunden, dass eine homöopathische Behandlung diesen Patienten nützt“, schreiben die Kollegen. Das galt sowohl für Prävention als auch Therapie.

Keine einzige qualitativ gute Studie vorhanden

Dafür entdeckten sie umso mehr Qualitätsmängel in den Untersuchungen: methodische Inkonsistenzen, selektives Reporting, Protokollabweichungen – die wissenschaftliche Mängelliste ist lang. Wenn die Autoren einer Studie auf einen geringen Benefit stießen, dann handelte es sich um eine der besonders schlecht durchgeführten Arbeiten mit nicht ausreichender Qualität. Auch in Untersuchungen mit geringer Qualität fand sich nur ein schwacher oder gar kein Effekt. „Über die Sicherheit können wir überhaupt keine Aussage treffen“, so die Experten weiter, denn auch die Nebenwirkungen wurden nur sehr lückenhaft erfasst.

Quelle: Hawke K et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; online first