HPV-Impfung für Jungen: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten

Autor: Michael Reischmann/ Cornelia Kolbeck

Einige Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für die HPV-Impfung bei Jungen. © Fotolia/Africa Studio

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat beschlossen, den Impfschutz gegen humane Papillomaviren (HPV) auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren zu empfehlen. Die Deutsche Krebsstiftung begrüßt die Entscheidung.

Jährlich erkranken etwa 4600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, für rund 1600 von ihnen endet die Erkrankung tödlich. Auslöser für den Krebs sind häufig die sexuell übertragbaren humanen Papillomaviren. Bisher beschränkte sich die STIKO deshalb auf die Empfehlung, Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV zu immunisieren, mit der Option, dass die Impfung bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt werden kann. Die Kosten übernehmen die Kassen. Doch HPV kann auch für Jungen gefährlich werden. Krebs im Mund-Rachen-Raum und am Darmausgang sowie Genitalwarzen können für beide Geschlechter die Folge einer Infektion sein.

G-BA soll die Impfung in den Leistungskatalog aufnehmen

„Wir hoffen sehr, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Empfehlung der STIKO aufgreift und auch die Impfung für Jungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufnimmt“, erklärt deshalb Professor Dr. Michael Bamberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebsstiftung.

Der Beschluss der STIKO wird auch von den Kinderärzten gelobt. Trotz Aufklärungsarbeit wird hierzulande nur ca. ein Drittel aller Mädchen im empfohlenen Zeitraum von 9 bis 14 Jahren gegen HPV geimpft. Darauf verweist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Pressemitteilung. Mit 17 Jahren seien nur 45 % der Mädchen komplett gegen HPV immunisiert. „Damit ist ein guter Herdenschutz nicht zu gewährleisten“, schreibt der Verband. Er begrüßt deshalb die STIKO-Empfehlung für eine geschlechtsneutrale Vakzinierung zwischen 9 und 14 Jahren. Das Nachholen verpasster Impfungen soll bis zum 18. Geburtstag erfolgen.

Patienten sollen bei ihrer Krankenkasse nachfragen

Mit Veröffentlichung spätes­tens im Epidemiologischen Bulletin 34/2018 Ende August werde die Empfehlung offiziell, erklärt der BVKJ. Danach habe der Gemeinsame Bundesausschuss drei Monate Zeit, eine Anpassung der Schutzimpfungsrichtlinie zu prüfen. Der Verband rät gesetzlich versicherten Eltern, die ihre Jungen jetzt schon immunisieren lassen wollen, wegen der Kostenübernahme zuvor mit ihrer Krankenkasse zu sprechen.

Die Techniker Krankenkasse z.B. erstattet die Rechnungen für Arzthonorar und Impfstoff bereits seit der Entscheidung der Impfkommission. Es sei damit zu rechnen, dass die HPV-Impfung für Jungen erst Anfang 2019 eine Leistung für alle gesetzlich Versicherten werde, heißt es hier. Die DAK übernimmt seit 1. Juli die Kosten, ebenso die AOK Nordost. Auch die pronova BKK zahlt für Impfstoff und ärztliche Behandlung.