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In der Pandemie stärkt offene Kommunikation das Vertrauen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Menschen sind eher geneigt, die Schutzmaßnahmen einzuhalten, wenn auch Unwägbarkeiten klar kommuniziert werden. Die Menschen sind eher geneigt, die Schutzmaßnahmen einzuhalten, wenn auch Unwägbarkeiten klar kommuniziert werden. © mast3r – stock.adobe.com
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In der Pandemie kann der größte Teil der Deutschen offensichtlich prima mit der bestehenden Unsicherheit leben. Gewünscht ist eine offene und ehrliche Kommunikation vonseiten der Politik.

Zur Wissenschaft gehört Ungewissheit. Das führt uns die derzeitige Pandemie nachdrücklich vor Augen. Aus Sorge um einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung würden aber viele Verantwortliche davor zurückscheuen, diese wissenschaftlichen Unwägbarkeiten klar zu benennen, so die Einschätzung einer Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. ­Odette ­Wegwarth vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Viele Menschen in diesem Land wünschen sich aber, dass Politiker und Gesundheitsexperten die bestehenden Unsicherheiten offen zur Sprache zu bringen, fanden die Wissenschaftler heraus.

An ihrer im Juli 2020 durchgeführten landesweiten Befragung nahmen mehr als 2000 Erwachsene teil. Den Teilnehmern wurden vier verschiedene Darstellungsweisen des künftigen Pandemieverlaufs vorgelegt, in denen unterschiedlich stark auf die Unsicherheiten der Prognose hingewiesen wurde. So verzichtete die Version, die die Ungewissheit der Vorhersage am deutlichsten hervorhob, bei den Infektions- oder Todesfallzahlen oder der Reproduktionszahl auf feste Größen und gab vielmehr Spannen an („Von- und Bis-Werte“). Die Darstellung hingegen, die die fehlende Eindeutigkeit der Vorhersage ignorierte, benannte stets feste Werte und suggerierte, dass die Zahlen keinen Zweifel am Fortgang der Pandemie lassen würden. Jede der vier Versionen endete mit dem gleichlautenden Appell, die Maßnahmen zum Schutz der Risikogruppen fortzuführen, etwa das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit. 

Ein Drittel der Befragten bevorzugte das Format mit der deutlichsten Betonung der wissenschaftlichen Unwägbarkeiten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer favorisierten die beiden Versionen, die numerische oder verbale Unsicherheiten kommunizierten. Die Fassung, die die wissenschaftlichen Unsicherheiten komplett unerwähnt ließ, kam gerade einmal bei jedem Fünften und damit am schlechtesten an. Die Motivation zum Einhalten der angeordneten und empfohlenen Schutzmaßnahmen war – insbesondere bei grundsätzlich skeptisch eingestellten Personen – ebenfalls dann am größten, wenn die bestehenden Wissenslücken klar benannt wurden.

Quelle: Wegwarth O et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e2032335; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.32335

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