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MAGE – Messwertschwankungen richtig bewertet

diatec journal: Lexikon Autor: Dr. Andreas Thomas

Mittels MAGE lassen sich technische Ausreißer und physiologische Schwankungen der Glukosewerte trennen. Mittels MAGE lassen sich technische Ausreißer und physiologische Schwankungen der Glukosewerte trennen. © istock.com/v_alex
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Nichtadäquate Auslenkungen in Glukoseprofilen können auf unterschiedliche Art beurteilt und ausgeschlossen werden. Bei MAGE wird die Standardabweichung zur Bewertung hinzugezogen. Was steckt hinter dem Parameter?

Die Messung von Glukosewerten in kurzen Abständen (1–5 Minuten) mithilfe des kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM) ermöglicht eine vollständige, weil lückenlose Bestimmung der glykämischen Variabilität. Dadurch ergeben sich diverse Parameter, um Glukoseschwankungen zu beschreiben und in eine mathematische Formulierung zu fassen.

Eigentlich lassen sich Glukoseschwankungen durch die Streuung um den Mittelwert der Glukosekonzentration, die Standardabweichung (SD), beschreiben. Vor allem ergeben sich diese Werte unmittelbar aus der Analyse aller Daten und werden in jeder Software genauso ausgewiesen wie der Glukosemittelwert.

CGM-Profile früher oft instabil

Allerdings wird dabei jede aufgezeichnete Schwankung einbezogen, unabhängig davon, wodurch sie bedingt ist. Die mittlere Amplitude der glykämischen Exkursionen (Mean Amplitude of Glucose Excursion; MAGE) erlangte ihre Bedeutung deshalb besonders in den ersten Jahren von CGM (das erste System, das CGMS®, kam 1999 auf den Markt). Zu jener Zeit waren CGM-Profile oft instabil aufgrund messtechnischer Aspekte. Neben den physiologischen Schwankungen traten in den Profilen „zappelnde“ Kurvenabschnitte auf, bedingt zum Beispiel durch minimale Verschiebungen des Glukosesensors im Unterhautfettgewebe bei Bewegungen des Patienten, wodurch sich kleine Spannungsabfälle an der Elektrode ergeben (Abb. 1).

Bei der SD-Berechnung würden jedoch alle diese Werte mit einbezogen. Das würde den Wert für die tatsächlichen physiologischen Schwankungen beeinflussen. Die MAGE beschreibt dagegen das arithmetische Mittel aus der Differenz zwischen konsekutiven glykämischen Maxima und Minima (Abb. 2). Wie wird diese ermittelt? Zunächst werden die lokalen Maximal- und Minimalwerte bestimmt, und zwar für jede Glukoseauslenkung. Danach wird jede lokale Auslenkung mit der aus der Statistik des Kurvenverlaufs bekannten SD beurteilt. Ist die Differenz von Minimum zu Maximum (Delta oder δ) größer als die SD, dann ist diese Auslenkung relevant.

Wenn die Differenz weniger als eine SD beträgt, so wird die Auslenkung von weiteren Berechnungen ausgeschlossen. Die eingeschlossenen Kurvenabschnitte mit δ ≥ 1 SD werden summiert und durch ihre Anzahl geteilt. Das ist die MAGE.

Glättung der Werte mit Algorithmen bereits etabliert

Bei aktuellen CGM-Systemen werden technische Schwankungen durch den Algorithmus geglättet (Abb. 1). So lässt sich bequemer und auch mit besserem Verständnis mit der SD arbeiten. Außerdem gehen kleine physiologische Auslenkungen mit δ < SD in die SD mit ein, die bei der MAGE entfallen.

 

 


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