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Minimalinvasiv bedeutet nicht automatisch minimales Risiko

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Bei Gebrechlichen ist die Sterblichkeit schon nach kleiner OP erhöht – unabhängig von postoperativen Komplikationen. Bei Gebrechlichen ist die Sterblichkeit schon nach kleiner OP erhöht – unabhängig von postoperativen Komplikationen. © sebra – stock.adobe.com
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Das Mortalitätsrisiko nach einer OP ist bei Gebrechlichen erhöht. Aktuelle Zahlen zeigen: Das gilt sogar für „Mini“-Interventionen.

Für gebrechliche Patienten sind Operationen riskanter – so weit, so klar. Das wurde bisher aber vor allem für Hochrisikoeingriffe untersucht. Nun hat ein Forscherteam um Dr. Myrick­ C. Shinall­ Jr. von der chir­urgischen Abteilung des Vanderbilt University Medical Center in Nashville retrospektiv Daten von knapp 433.000 vornehmlich männlichen Patienten ausgewertet, die zwischen 2010 und 2014 operiert worden waren. Lediglich kardiologische Operationen schlossen sie aus.

Unter den Studienteilnehmern war knapp jeder Zehnte gebrechlich, jeder Fünfzigste sehr gebrechlich. Bestimmt hatten das die Wissenschaftler mithilfe des Risk Analysis Index (RAI). In diesen gehen Parameter wie Alter, Geschlecht, Begleit­erkrankungen, kognitive Einschränkung sowie der Grad der Selbstständigkeit der Patienten ein.

Es zeigte sich, dass auch nach kleinen Eingriffen, z.B. Zystoskopien, im Vergleich zu fitten Patienten wesentlich mehr gebrechliche Patienten starben (nach 30 Tagen 1,55 % vs. 0,04–0,2 %). Bei den sehr gebrechlichen waren es sogar 10,34 %. Ähnliches galt für mäßig invasive Eingriffe wie die laparoskopische Cholezystektomie: Unter den sehr gebrechlichen Patienten lag die Mortalitätsrate nach 30 Tagen bei 18,74 %, unter den gebrechlichen bei 5,13 %. Bei fitten Patienten betrug sie lediglich 0,3–0,9 %.

Dieser Trend setzte sich über die Zeit fort: Nach einem halben Jahr war nach einer mäßig invasiven OP fast jeder sechste gebrechliche und fast jeder zweite sehr gebrechliche Patient gestorben. Dieser Zusammenhang war unabhängig davon, ob es nach der OP zu Komplikationen gekommen war oder nicht.

Mit den Patienten besprechen, was ihnen am wichtigsten ist

Allerdings ist die Mortalität auch nicht alles, schränken der Chirurg Dr. Adam­ Shelitto­ vom Los Angeles Medical Center in Torrance und seine Kollegen ein: Vielmehr müsse man sich fragen, was sich ein Patient von einem Eingriff verspricht. Das kann die Verlängerung der Lebenszeit sein – oft steht aber auch die Symptomlinderung oder der Erhalt der Selbstständigkeit im Vordergrund. Eine optimale Versorgung beinhalte daher immer die Frage an den Patienten: „Was ist für Sie am wichtigsten?“

Quellen:
Shinall MC Jr et al. JAMA Surg 2019; DOI: 10.1001/jamasurg. 2019.4620
Shellito A et al. JAMA Surg 2019; DOI: 10.1001/jamasurg. 2019.4638

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