Mysteriöse Fußbeschwerden mit wenigen Handgriffen aufklären

Autor: Maria Fett

Neben Gesprächen auch mal anpacken: Viele Krankheitsbilder lassen sich mit einfachen Tricks erkennen. Neben Gesprächen auch mal anpacken: Viele Krankheitsbilder lassen sich mit einfachen Tricks erkennen. © iStock.com/MonthiraYodtiwong

Die Diagnose von Deformitäten und Nervenerkrankungen des Fußes kann auch ohne Hilfsmittel gelingen. Einfache Methoden wie der Mulder-Klicktest helfen dabei.

Bei orthopädischen Leiden gilt es, im Rahmen der Anamnese nicht nur nach Beschwerden und Begleit­erkrankungen zu fragen. Auch die getragenen Schuhe und Einlagen der Patienten sollte man sich genau ansehen. Denn die meisten Krankheitsbilder des Fußes führen zu charakteristischen Druckstellen bzw. lassen die Sohle an bestimmten Bereichen abnutzen. Verdächtige Stellen sollte man mit einem Fettstift markieren. Durch Inspizieren des Patienten beim Gehen, Stehen und/oder Sitzen können weitere Pathologien erkannt oder Vordiagnosen erhärtet werden, erklärte Dr. Dr. Michael Gabel vom Fußzentrum der Sana Klinik Bethesda Stuttgart.

Pes planovalgus

Patienten mit einem erworbenen Knicksenkfuß infolge einer Degeneration der Tibialis-posterior-Sehne berichten zwei typische Symptome: unklare Schmerzen an der Innenseite des Knöchels oder des Sprunggelenks sowie einen schmerzhaft geschwollenen und hervortretenden Innenknöchel bei zunehmender Knicksenkfußstellung.

Neben der Fehlstellung der Ferse nach außen, wodurch das Fußgewölbe auf dem Boden aufliegt, lässt sich ein Pes planovalgus z.B. mithilfe des Silfverskjöld-Tests bestätigen. Am gestreckten Knie prüft man zunächst die aktive und passive Dorsalextension im oberen Sprunggelenk und wiederholt das Ganze mit um 90° flektiertem Knie. Fällt die Dorsal­extension beim gestreckten Kniegelenk geringer aus als beim gebeugten, spricht dies für eine verkürzte Wadenmuskulatur – häufige Folge eines lange bestehenden, unbehandelten Knicksenkfußes.

Patienten mit einem Pes planovalgus sind zudem nicht in der Lage, sich ohne Weiteres auf einem Bein auf die Zehenspitzen zu stellen: Es gelingt ihnen meist nicht, beim Zeheneinbeinstand die Ferse nach oben zu ziehen.

Metatarsalgie

Belastungsabhängig treten Schmerzen unter den Metatarsalköpfen auf. Neben der Gelenkpalpation – wobei Patienten von Schmerzen im Bereich des mittleren Vorfußes berichten – dienen der Mittelfußklopftest und der Schubladentest (nach Mann) zur Abklärung. Beim Mittelfußklopftest überstreckt der Arzt die Zehen des liegenden Patienten und klopft gleichzeitig mit einem Reflexhammer die Metatarsalköpfchen ab. Nehmen die Beschwerden daraufhin zu, ist der Test positiv. Im Schubladentest versucht man, die Zehen im Gelenk nach dorsal zu verschieben.

Morton-Neuralgie

Eine wichtige Differenzialdiagnose der Metatarsalgie ist die Morton-Metatarsalgie. Sie führt bei Betroffenen zu Schmerzen während der Kompression des Vorfußes (Gänss­len-Handgriff). Auch ein positiver N.-interdigitalis-Dehnungstest – brennende Schmerzen in der Fußsohle plus plantar in Höhe der betroffenen Mittelfußköpfchen bei maximaler passiver Dorsalflexion beider Sprunggelenke – sowie der Mulder-Klicktest weisen auf die periphere Nervenerkrankung hin.

Mulder-Klicktest

Ein kurzes Video sagt mehr als eine schriftliche Beschreibung. Ein Kollege demonstriert, wie einfach Sie einschätzen können, ob eine Morton-Neuralgie vorliegt. Quelle: Youtube/Matthew Gallegos

Bei Letzterem wird der Vorfuß in den Zangengriff genommen und zusammengedrückt, wodurch sich die Metatarsalköpfchen gegeneinander schieben. Vernimmt man ein „Klicken“ und löst der Test Schmerzen aus, deutet dies auf eine Morton-Neuralgie hin (s. Video).

Richtungsweisender Geruch

In einer Zeitungsmeldung vom 19.3.1938 konnte man über das Krankheitsbild Stinkfuß Folgendes lesen:

Häufiges, unter Orthopäden gefürchtetes Sy., meist auftretend nach Ausziehen sog. Stinksocken.

Ätiol.: Zeit-, Wasser-, Seifen- oder Sockenmangel. Survivaltraining über mehrere Wo. mit einem Paar Socken.

Klinik: Geruch und Inspektion richtungsweisend. Palpation wird selten durchgeführt. Oft Koinzidenz mit Schweißfuß.

Ther.: Beratung unter Beachtung höflicher Umgangsformen, Hydrothera., viel Schwimmen. Notfallmäßig (in dieser Reihenfolge): Fußbad, Raumluftspray, lokale Salben.

Prog.: gut, aber rezidivfreudig.

Quelle: 54. Ärztekongress der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg