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Nach bariatrischer OP gelangen lipophile Schadstoffe in den Blutkreislauf

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Durch Fettdepotabbau gelangen lipophile Umweltsubstanzen in den Blutkreislauf. Durch Fettdepotabbau gelangen lipophile Umweltsubstanzen in den Blutkreislauf. © Spectral-Design – stock.adobe.com
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Verlieren Patienten nach bariatrischer OP ihre Pfunde, werden viele im Fett gespeicherte lipophile Umweltschadstoffe freigesetzt. Führt das zu klinisch relevanten Belastungen?

Adipöse Patienten bauen nach einem bariatrischen Eingriff Fettdepots ab. Dadurch gelangen aber auch in den Depots gespeicherte lipophile, schwer abbaubare organische Umweltschadstoffe (persistent organic pollutants, POP) in den Blutkreislauf und können dort ihre hormonähnlichen und obesogenen Effekte entfalten.

Wie sich die Blutkonzentrationen verschiedener POP nach einer bariatrischen Operation verändern, wurde jetzt in einer monozentrischen Studie mit 27 Patienten untersucht. Dazu wurden den Studienteilnehmern vor und bis zu sechs Monate nach dem Eingriff Blutproben entnommen und die Konzentrationen von 24 polychlorierten Biphenylen (PCB), 9 organochlorierten Pestiziden (OCP), 4 Perfluorochemikalien (PFC) sowie weiterer schwer abbaubarer organischer Umweltschadstoffe quantitativ bestimmt.

Die altersspezifische Auswertung ergab für vor 1976 geborene Patienten zum Zeitpunkt der Operation zwei- bis fünffach höhere Werte für PCB, OCP und PFC im Vergleich zu den nach 1976 geborenen Patienten. Nach dem Eingriff stiegen die POP-Blutspiegel ebenfalls in einem altersabhängigen Muster: Bei den älteren Patienten erhöhten sich die Werte von PCB, OCP und polybromierten Diphenylethern stärker, bei den jüngeren Patienten dagegen die PFC.

Ob die Freisetzung der Umweltschadstoffe auch klinisch relevant ist, lässt sich bisher mangels verbindlicher als „sicher“ geltender POP-Konzentrationen nicht beurteilen, erklärt das Autorenteam um Professor Dr. Robert H. Brown von den Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore. Doch sollten die Ergebnisse Anlass für weitere Forschungen geben. Die freigesetzten POP reichern sich nämlich in anderen lipidreichen Organen wie Gehirn oder Leber an. Möglicherweise lässt sich durch gezielte Ausleitung der organischen Substanzen nach einem bariatrischen Eingriff die Belastung der Patienten verringern, heißt es in der Studie. 

Quelle: Brown RH et al. Obesity 2019; 27: 1865-1873; DOI; doi.org/10.1002/oby.22618


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