Neue Zostervakzine nimmt die STIKO-Hürde

Autor: Manuela Arand/Kathrin Strobel

Der Totimpfstoff verhindert 90 % der Herpes-Zoster-Fälle und 82 % der Neuralgien. © iStock.com/fstop123

Die Erkrankungszahlen von Herpes Zoster und Zosterneuralgie steigen stetig. Seit 2018 steht ein hocheffektiver Totimpfstoff für Erwachsene zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt ihn jetzt für ältere Patienten.

Wahrscheinlich liegt die Zosterinzidenz in Deutschland zwischen 5 und 6 pro 1000 Einwohner – exakte Zahlen gibt es nicht, denn meldepflichtig ist die Krankheit nicht. Die meisten Patienten überstehen die Erkrankung folgenlos, aber in etwa 15 % der Fälle tritt eine Post-Zoster-Neuralgie auf und in weiteren 15 % kommt es zu zentralnervösen Komplikationen. Auch Todesfälle sind beschrieben, vor allem bei Immunsuppression und in den seltenen Fällen einer Varizellen-Neuinfektion im höheren Alter, berichtete Professor Dr. Corinna Trebst von der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover anlässlich der Neurowoche 2018.

Der Zoster-Lebendimpfstoff, der seit 2013 zugelassen ist, bietet hinsichtlich der Wirksamkeit reichlich Luft nach oben. In der Zulassungsstudie verhinderte er nur die Hälfte der Zosterfälle und zwei von drei Neuralgien. Je älter der Patient, desto schlechter war das Ansprechen. Einer Modellrechnung zufolge liegt der Schutzeffekt bei über 80-Jährigen nur noch bei 20 %. Zudem ist der Lebendimpfstoff für Menschen mit geschwächtem Immunsystem nicht geeignet.

Seit letztem Jahr steht ein adjuvantierter Totimpfstoff zur Verfügung, der sich als wesentlich effektiver erwiesen hat. Die Schutzwirkung gegen Herpes Zoster erreicht etwa 90 %, postherpetische Neuralgien werden zu immerhin 82 % verhindert.1 Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) diese Vakzine als Standardimpfung. Die Empfehlung gilt für alle Personen ab dem 60. Lebensjahr. Risikopatienten mit geschwächtem Immunsystem oder einer Grunderkrankung rät die Impfkommission, sich bereits ab dem 50. Lebensjahr impfen zu lassen.

Nebenwirkungen halten nur ein bis zwei Tage an

Zwar ist der Totimpfstoff sehr reaktogen, sodass bei etwa jedem zehnten Patienten lokale und systemische Reaktionen wie Hautrötungen und -schwellungen, Fieber, Müdigkeit und Myalgie auftreten können. Allerdings halten diese Reaktionen nur ein bis zwei Tage an – die STIKO bewertet die Impfung insgesamt als sicher. Was beim Tot- wie beim Lebendimpfstoff zu klären bleibt, ist die Frage, ob und in welchen Abständen Auffrischimpfungen sinnvoll und nötig sind, so Prof. Trebst.

Quelle: 1. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts