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Kolorektales Karzinom Nicht alle Spuren beseitigt

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Eine konservative Nachverfolgung für Patienten, für die ein chirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, kann eine angemessene Entscheidung darstellen. Eine konservative Nachverfolgung für Patienten, für die ein chirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, kann eine angemessene Entscheidung darstellen. © iStock/ChrisChrisW
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Beim frühen kolorektalen Karzinom gelingt die endoskopische Submukosaresektion nicht immer. Dann muss operativ eingegriffen werden. Doch bei Patienten mit hohem OP-Risiko kann stattdessen die konservative Nachverfolgung eine angemessene Entscheidung sein.

Frühe maligne Läsionen beim kolorektalen Karzinom (T1-CRC) werden in kurativer Absicht häufig per endoskopischer Submukosadissektion (ESD) entfernt. Mitunter ergibt sich auf Basis histologischer Parameter im Nachhinein ein hohes Risiko für einen Lymphknotenbefall. In solchen Fällen spricht man dann von einer nicht-kurativen ESD.

Für Patienten mit nicht-kurativer ESD wird ein anschließender chirurgischer Eingriff empfohlen. Doch dabei muss der mögliche Nutzen gegen das Risiko der operationsassoziierten Mortalität und Morbidität abgewogen werden, das vor allem bei älteren Betroffenen mit mehreren Komorbiditäten hoch sein kann. Deshalb stellt sich die Frage, wie sich der Verlauf bei Patienten ohne chirurgischen Eingriff gestaltet. Um dies zu beantworten, haben italienische Forscher die Daten von über 600 Patienten mit T1-CRC ausgewertet. Sie stammten aus 13 Zentren und waren alle einer ESD unterzogen worden.

207 dieser Eingriffe stufte man als nicht-kurative ESD ein, wobei es sich in zwei Drittel der Fälle um eine nicht vollständige Resektion (R1) handelte. Aufgrund dieser Ergebnisse fordern die Autoren, dass die Qualität der endoskopischen Resektion dringend verbessert werden muss.

Von den 207 Patienten wurden 126 (61 %) im Anschluss operiert, während bei 81 (39 %) die Entscheidung gegen eine OP und für eine konservative Nachverfolgung fiel. In der Gruppe ohne OP verstarben während der durchschnittlichen Nachverfolgungszeit von rund 28 Monaten insgesamt neun Betroffene, dies allerdings aufgrund von Ursachen, die mit dem CRC nichts zu tun hatten. Sie hatten damit gegenüber den operierten Patienten ein etwa dreifach erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Die Rate an Tumorrezidiven sowie die krankheitsspezifische Überlebensrate unterschieden sich dagegen zwischen den beiden Gruppen nicht. Die Autoren schlussfolgern, dass eine konservative Nachverfolgung für Patienten, für die ein chirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, eine angemessene Entscheidung darstellen kann. Sie sollte am besten auf Basis einer multidisziplinären Beurteilung getroffen werden.

Quelle: Spadaccini M et al. Gut 2022; DOI: 10.1136/gutjnl-2020-323897

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