Patienten mit olfaktorischer Dysfunktion sollten wiederholt Fragebogen ausfüllen

Autor: Kathrin Strobel

Ihre Patientin riecht so penetrant nach Parfum, als hätte sie darin gebadet? Vielleicht empfindet sie das gar nicht so. Eine olfaktorische Dysfunktion blüht immerhin jedem fünften Erwachsenen. © producer – stock.adobe.com

Für Riechstörungen gibt es rund 200 verschiedene Ursachen. Dementsprechend muss eine gründliche Diagnostik erfolgen. Ganz unabhängig von der Ätiologie sollten die Betroffenen täglich das Riechen trainieren und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ein­halten.

Bei mehr als zwei Dritteln der Patienten lässt sich die olfaktorische Dysfunktion auf sinu­nasale Erkrankungen, Infektionen oder Traumata zurückführen, erklären Katherine­ L. Whitcroft­ und Professor Dr. Thomas­ Hummel­ von der Technischen Universität Dresden. Aber auch neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson, Toxine und Medikamente sowie medizinische Eingriffe sind mögliche Ursachen.

Die Diagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese und eine umfassende klinische Untersuchung. Im Gespräch mit dem Patienten gilt es, zu erfragen, wann die Störung begonnen und wie sie sich entwickelt hat. Wichtig ist auch, ob Parosmien und/oder Phantosmien auftreten. Weitere relevante Punkte sind:

  • Ausprägung der Beschwerden
  • Begleiterkrankungen bzw. -symptome
  • bisherige Krankheitsgeschichte
  • Medikation
  • Lebensstilfaktoren
  • berufliche Tätigkeit

Die körperliche Untersuchung schließt idealerweise eine Endoskopie der Nase ein. Denn im Gegensatz zum Rhinoskop erreicht das Endoskop auch die Riechspalte, die es sich bei olfaktorischen Dysfunktionen anzuschauen lohnt, erklären die Autoren. Hierbei sollten Sie insbesondere auf strukturelle Anomalien wie eine Septumdeviation, Polypen oder Vernarbungen achten. Zur Bewertung empfehlen die Kollegen validierte Skalen wie die Olfactory Cleft Endoscopy Scale.

Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache sollten Sie den Patienten an einen entsprechenden Kollegen überweisen. Vom Einsatz topischer Anästhetika für die Untersuchung raten die Autoren ab. Diese können das Ergebnis des Riechtests verfälschen.

Psychophysische Erhebung per Sniffin’ Sticks oder Süßigkeiten

Um die Riechfunktion zu überprüfen, stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung. Diese lassen sich in vier Kategorien einteilen:

  1. subjektive Einschätzung
  2. psychophysische Testung
  3. Bildgebung
  4. elektrophysiologische Verfahren

Für den klinischen Alltag sind insbesondere die subjektive Einschätzung und die psychophysische Erhebung relevant. Bildgebung und elektrophysiologische Verfahren werden nur bei spezifischen Fragestellungen oder zu Forschungszwecken eingesetzt.

Mit der subjektiven Einschätzung des Riechvermögens soll vor allem erhoben werden, wie stark die Störung den Patienten beeinträchtigt. Sie ist außerdem hilfreich, um den Behandlungserfolg zu überprüfen. Für die Erfassung empfiehlt sich die Verwendung validierter Fragebogen. Um die Aussagekraft des Tests zu erhöhen, raten die Autoren dazu, die Patienten ihre Riechfunktion mehrmals hintereinander einschätzen zu lassen und daraus den Mittelwert zu errechnen. Die subjektive Testung sollte in Kombination mit der psychophysischen Erhebung erfolgen.

Letztere erfasst  – ähnlich einem Audiogramm – das ortho- und das retronasale Riech- sowie das Schmeckvermögen. Hierfür stehen verschiedene validierte Verfahren zur Verfügung. Beispiele sind Sniffin’ Sticks, der Zürcher Riechtest und der Candy Smell Test. Die genauesten Ergebnisse erhält man, wenn man mehrere Methoden miteinander kombiniert (z.B. Ermittlung der Riechschwelle, Geruchs­erkennung und -unterscheidung). Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Störung und beinhaltet immer ein Beratungsgespräch (siehe Kasten).

Achtung, Sicherheitsrisiko!

Damit Riechstörungen nicht die Gesundheit gefährden, sollten alle Betroffenen in ihrem Alltag Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Hierzu zählen:

  • Rauch- und Gasmelder installieren und regelmäßig warten (lassen)
  • Verfallsdatum von Lebensmitteln unbedingt einhalten

Ein entsprechendes Beratungsgespräch sollte fester Bestandteil der Therapie sein.

Der Patient kann selbst etwas tun – ohne Nebenwirkungen

Handelt es sich um eine medikamenteninduzierte Dysfunktion, sollten die entsprechenden Präparate möglichst abgesetzt werden. Ist eine chronische Rhinosinusitis der Auslöser, kommen systemische und topische Kortikosteroide (ggf. eine OP) zum Einsatz. Ob diese auch bei Störungen anderer Ätiologie helfen, ist unklar. Unabhängig von der Ätio­logie kann tägliches Riechtraining das Riechvermögen verbessern. Am häufigsten werden hierfür mindes­tens vier Duftstoffe aus den Kategorien fruchtig, blumig, harzig und würzig verwendet. Die Übungen sind quasi nebenwirkungsfrei und einfach von den Patienten selbst durchzuführen.

Quelle: Whitcroft KL, Hummel T. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2019; online first; DOI: 10.1001/jamaoto.2019.1728