Präventive Impfstoffe gegen Krebs: DKFZ-Forscher legen Grundlagen für eine EBV-Vakzine

Symposium Vision-Zero Autor: Günter Löffelmann

Etwa 90 % aller Menschen sind infiziert: Das Epstein-Barr-Virus. © iStock.com/wir0man

Während sich Australien für seine erfolgreiche HPV-Impfkampagne feiert, wird die Einführung der Vakzine in Deutschland bis heute von Diskussionen behindert. Bleibt zu hoffen, dass künftige Optionen nicht dasselbe Schicksal ereilt.

Krebsvakzinen können substanziell dazu beitragen, die Zahl der Krebserkrankungen zu senken, da ist sich Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz ganz sicher. Der Forscher vom Universitätsklinikum Heidelberg und sein Team haben die Entwicklung von Impfstoffen entscheidend mitgeprägt. Ihnen gelang es unter anderem, in mikrosatelliteninstabilen Tumoren Treibermutationen zu charakterisieren und die resultierenden Proteine als Antigene für einen Impfstoff zu verwenden. „Damit konnten wir bei Mäusen mit Lynch-Syndrom das Auftreten von Tumoren signifikant verzögern“, berichtet Prof. Knebel Doeberitz. Ein faszinierender Ansatz, aber um ihn klinisch zu testen, muss der Forscher nun in die USA ausweichen. „In Deutschland ließ sich die Finanzierung nicht sichern“, bedauert Prof. Knebel Doeberitz.

Meilensteinforschung am DKFZ

Allgemein scheint Deutschland für Krebsvakzinen ein schwieriges Pflaster zu sein, wie auch das Beispiel der Impfung gegen Humane Papilloma- Viren (HPV) zeigt. Gerade mal 32 % der 15-jährigen Mädchen hatten 2015 eine vollständige Immunisierung durchlaufen, für Jungen wird die Impfung hierzulande erst seit 2018 empfohlen. In Australien liegt die Durchimpfungsrate mittlerweile bei 80 und 75 % für Mädchen bzw. Jungen. „Während in Deutschland widersprüchliche Empfehlungen selbst die Ärzte verunsicherten, wurde in Australien in Schulen informiert und auch geimpft“, sagt Prof. Knebel Doeberitz. Hessen will nun ein vergleichbares Programm etablieren.

Nachdem schon die Impfung gegen HPV auf Forschungen am DKFZ zurückgeht, könnte dies auch bei einer Vakzine gegen das Epstein- Barr-Virus (EBV) der Fall sein. „Etwa 90 % aller Menschen sind damit infiziert, es kann vor allem Lymphome, aber auch Magen- und Nasopharynx-Karzinome hervorrufen“, sagt Professor Dr. Dr. Henri-Jacques Delecluse. „Man schätzt, dass mindestens so viele Krebsfälle auf EBV zurückgehen wie auf HPV. Eine Impfung wäre sinnvoll.“

Doch alle bisherigen Anläufe waren nicht effektiv. Der Grund: Die Impfstoffe enthielten als Antigene nur virale Proteine von entweder der latenten oder der lytischen Phase, die das Virus in seinem Lebenszyklus durchläuft. Prof. Delecluse und seinem Team gelang es nun, einen Impfstoff mit Antigenen aus beiden Phasen zu entwickeln. In Mäusen, die mit menschlichem Knochenmark ausgestattet waren, rief die Vakzine eine spezifische Immunantwort hervor, an der auch T-Zellen beteiligt waren, und die Tiere waren vor einer Infektion mit EBV geschützt. „Damit konnten wir zeigen, dass eine wirksame Immunisierung gegen EBV möglich ist“, freut sich Prof. Delecluse. Nun gehe es darum, den Prototyp weiterzuentwickeln und schließlich beim Menschen zu prüfen.