Prostatakrebsscreening: Risikoadaptierter PSA-Test soll für weniger Überdiagnostik sorgen

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Wenn mit 45 Jahren der mit dem PSA-Test gemessene Wert bei über 1,6 ng/ml liegt, besteht ein hohes Risiko, in den Folgejahren an Prostatakrebs zu erkranken. © fotolia/Elnur

Der flächendeckende PSA-Test reduziert zwar die für Prostatakrebs spezifische Mortalität um bis zu 21 %, verursacht aber reichlich Überdiagnosen und -therapien. Ein risikoadaptierter Test mit frühem Basis-PSA könnte für Abhilfe sorgen.

Auf Anamnese und Palpation (Prostata, Lymphknoten) beschränkt sich derzeit das gesetzliche Früherkennungsprogramm für Männer ab 45. Der PSA-Test gehört in Deutschland bisher nicht dazu, schreiben Dr. Rouvier Al-Monajjed und Kollegen vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Doch was kann man von der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) erwarten? Die Urologen bewerteten die Vor- und Nachteile des Tests anhand der drei größten bisher dazu durchgeführten Studien CAP, ERSPC und PCLO.

Dass das PSA-Screening auch das Gesamtüberleben verbessert, konnte kein Studie belegen. Zu signifikanten positiven Ergebnissen kam nur die ERSPC-Studie. Die Kontrollen von CAP und PCLO waren allerdings stark kontaminiert, was deren Aussagekraft einschränkt, betonen die Kollegen. Insgesamt sank die prostatakrebsspezifische Mortalität in ERSPC um etwa 21 %. Mit längerer Nachbeobachtungszeit stieg auch die Zahl der vermiedenen Todesfälle. Zudem verringerte sich das Metastasierungsrisiko um 42 %.

Dem gegenüber steht das erhöhte Risiko für Überdiagnose und Übertherapie. Falsch positive PSA-Werte sind für die Betroffenen oft eine große psychische Belastung. Bei jedem Zweiten mit einem suspekten PSA-Wert kam es durch die Biopsie zu rektalen Blutungen, Hämat­urie oder Hämospermie. Zusätzlich besteht immer ein Infektionsrisiko. Was noch schwerer wiegt: In der ERSPC-Studie lag der Anteil der Übertherapierten bei rund 50 %. Oft wurde sogar bei niedrigem Risiko zu radikalen Therapien geraten, denen massive Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz folgen können. Die Betroffenen sollten vor dem PSA-Test über Vor- und Nachteile aufgeklärt werden, lautet das Fazit der Experten.

Eine höhere Detektionsrate bei gleichzeitig weniger Überdiagnosen erreiche man nur durch ein risikoadaptiertes PSA-Screening. Die Kombination mit einer MRT kann die Genauigkeit zusätzlich verbessern. Eine einzelne PSA-Kontrolle mit 45 Jahren ist laut ERSPC nicht ausreichend, um die Metastasierung in den folgenden 25 Jahren auszuschließen. Generell werden deshalb drei Tests bis zum 60. Lebensjahr empfohlen.

Besonders gefährdet sind Männer, deren PSA-Wert schon mit 45 > 1,6 ng/ml liegt: Ihr Risiko, 25 Jahre später Metastasen zu entwickeln, ist fast verzehnfacht. Liegt der Wert in diesem Alter < 1,5 ng/ml (90 % der Männer), ist das Risiko, ab 60 an Prostatakrebs zu sterben, sehr gering. Engmaschige Kontrollen sollten sich daher auf die 10 % mit hohem Risiko beschränken. Die risikoadaptierte PSA-Diagnostik wird derzeit in einer prospektiven Studie untersucht.

Quelle: Al-Monajjed R et al. Bundesgesundheitsbl 2018; 61: 1544-1550