Risiken und Nutzen der prophylaktischen Mastektomie untersucht

Autor: Dr. Katharina Arnheim

Die Entscheidung für eine prophylaktische Mastektomie wird häufiger. © Fotolia/freshidea

Die Lebensqualität familiär belasteter mastektomierter Brustkrebspatientinnen ist deutlich schlechter als die noch nicht erkrankter Frauen mit BRCA-Keimbahnmutationen nach prophylaktischer Mastektomie. Doch äußern sich beide Gruppen in einer Befragung gleichermaßen zufrieden über die Intervention.

Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Mammakarzinoms ist bei Frauen mit BRCA1- und BRCA2-Keimbahnmutationen bekanntlich deutlich erhöht und liegt bis zum 80. Lebensjahr bei rund 70 %. Zur Risikoreduktion entscheiden sich gesunde Mutationsträgerinnen zunehmend für eine prophylaktische bilaterale Mastektomie, bereits erkrankte Frauen mit einseitigem Brustbefall für die kontralaterale Mastektomie, berichtete die Arbeitsgruppe um Dr. Natalie Herold vom Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik Köln. Sie wies jedoch darauf hin, dass prospektive Daten zur Effektivität dieser Maßnahmen und zur Patientenzufriedenheit bislang weitgehend fehlen. Angesichts der steigenden Operationszahlen selbst bei nur geringfügig erhöhtem Brustkrebsrisiko seien diese jedoch unverzichtbar.

Befragung zu Zufriedenheit und Lebensqualität

Um Abhilfe zu schaffen, befragte die Arbeitsgruppe zwischen September 2015 und April 2016 ein Hochrisikokollektiv von 134 konsekutiven BRCA1/2-Mutationsträgerinnen nach bi- oder kontralateraler Mas­t­ektomie und anschließender Brust­rekonstruktion. Die 44 gesunden Mutationsträgerinnen und die 90 einseitig erkrankten Patientinnen erhielten den Fragebogen BreastQ™ Mastectomy and Reconstruction, der Informationen zur Zufriedenheit über verschiedene Operations- und Rekonstruktionstechniken sowie zur Lebensqualität liefert.

Gesunde Mutationsträgerinnen gaben bei allen Aspekten des Fragebogens höhere Werte an: Das bedeutet, ihr psychosoziales, sexuelles und körperliches Wohlbefinden war sig­nifikant besser als das der bereits erkrankten Frauen. Dieser Unterschied kommt wahrscheinlich durch die Tumorerkrankung selbst sowie die Therapie und potenzielle Folgekomplikationen zustande, erläuterte die Expertin. Dagegen war die Zufriedenheit mit den Operationsmethoden (skin sparing [n = 38] oder nipple sparing/subkutan [n = 66]) und der Art der Brustrekonstruktion (autolog [n = 21] oder heterolog [n = 104]) in beiden Gruppen ähnlich.

Im Nachbeobachtungszeitraum von im Schnitt 41 Monaten wurde bei je einer prophylaktisch beidseitig bzw. einseitig mastektomierten Frau ein Mammakarzinom im Restdrüsengewebe festgestellt. Sechs Patientinnen entwickelten trotz adjuvanter endokriner und/oder Chemotherapie Rezidive in der Brust (n = 2) oder der Axilla (n = 4).

Über Vorteile und Risiken aufklären

Dr. Herold plädierte dafür, gesunde Mutationsträgerinnen umfassend über ihr Erkrankungsrisiko, die Vorteile und möglichen Risiken der prophylaktischen Mastektomie sowie über Alternativen der Prävention und konkurrierende Risiken aufzuklären.

Die Arbeitsgruppe hat bereits eine Folgestudie initiiert, mit dem Ziel, die Rezidivrate bei Mutationsträgerinnen nach therapeutischer Mastektomie ohne Nachbestrahlung zu ermitteln.

Quelle: Herold N et al. Senologie 2018; 15(02)e20; Abstract 55