Sauerstoff lieber restriktiver geben

Autor: Maria Fett

Die großzügig mit Sauerstoff Versorgten hatten ein 21 % höheres Sterberisiko. © fotolia/vanc7

Manche Ärzte würden Patienten vermutlich auch bei Diarrhö mit Sauerstoff versorgen, scherzt ein Kollege. Dabei ist diese geradezu reflexhafte Gabe von O2 ein „Ritual“ mit zweifelhaftem Nutzen.

Mit quietschenden Reifen kommt der Rettungswagen zum Stehen. Die Sanitäter reißen die Türen auf und springen heraus. Dicht hinter ihnen: der Notarzt. Beim Patienten angekommen, drückt ihm der Kollege direkt die Sauerstoffmaske auf Mund und Nase.

Szenen wie diese kennt man aus Film und Fernsehen. Doch auch in den Notfallambulanzen und auf Intensivstationen wird nur selten mit der Sauerstofftherapie gegeizt, sagte Professor Dr. Frank Erbguth vom Klinikum Nürnberg.

Das ist teilweise nachvollziehbar, denn die zugrunde liegende Pathophysiologie ist durchaus plausibel, meinte der Neurologe. Von der Datenlage kann man das dagegen nicht behaupten: Wer verschiedene Leitlinien miteinander vergleicht, stößt auf uneinheitliche Empfehlungen.

In einer Metaanalyse gingen Forscher der Thematik noch einmal systematisch auf den Grund. Sie ver­glichen die Effekte einer großzügigen O2-Therapie (mediane Sättigung 96 %) mit denen einer restriktiven Gabe. Die Daten stammten aus 25 randomisierten kontrollierten Studien mit über 16 000 Patienten, die aufgrund von z.B. Sepsis, Schlaganfall oder während einer Reanimation Sauerstoff erhalten hatten.

Die großzügig mit O2 versorgten Patienten wiesen im Vergleich ein um 21 % höheres Risiko auf, im Krankenhaus zu versterben. Ähnliches galt für die 30-Tage-Mortalität (14 %). Keine Unterschiede fanden sich bezüglich Behinderungsgrad und Dauer der Hospitalisation.

Quelle: 11. Neurologie-Update-Seminar