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Schätzen statt messen – Die Rolle des eHbA1c in der Blutzuckereinstellung

diatec journal: Lexikon Autor: Dr. Andreas Thomas

Glukosedaten direkt aus dem CGM-System. Glukosedaten direkt aus dem CGM-System. © Tyler Olson – stock.adobe.com
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CGM-Daten ermöglichen neue Glukoseparameter. Sind diese dem klassischen HbA1c-Wert mit Blick auf das Risiko für Folgeerkrankungen ebenbürtig?

Der HbA1c-Wert hat die Diabeteskontrolle entscheidend geprägt – seine einfache, schnelle und preiswerte Bestimmung ist von Vorteil. Mit der zunehmenden Anwendung des kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM) ergibt sich jedoch die Frage, ob sich aus dabei gemessenen Parametern der HbA1c gut ermitteln lässt, auch um die Aussagen dieses Langzeitparameters in der Beurteilung des therapeutischen Erfolges beibehalten zu können. Das beinhaltet die Entscheidung, ob der HbA1c überhaupt noch gemessen werden muss, wenn CGM-Daten vorliegen. Zutreffend ist das zunächst in Bezug auf den Mittelwert der Glukosekonzentration.

Entsprechend den Ergebnissen der ADAG-Studie ergab sich eine lineare Beziehung zwischen dem CGM-Mittelwert und dem HbA1c.1 Allerdings stammen die Daten aus den Jahren 2007/2008. Seitdem hat sich die Messqualität der CGM-Systeme verbessert. Den HbA1c aus CGM-Daten zu errechnen wurde auch im internationalen Konsensus zur Anwendung von CGM 2017 festgelegt.2 Dieser eHbA1c-Wert wurde anhand neuer Studiendaten modifiziert und in „Glukose-Management-Indikator“ (GMI) umbenannt.3 Seine Bedeutung kommt der des HbA1c-Werts gleich.

Weitere Parameter auf Basis von CGM-Daten möglich

Eine weitere Variante ist die Zeit im Glukosezielbereich von ­70–180 mg/dl (3,9–10,0 mmol/l): Die Auswertung von 18 verschiedenen Studien zeigte dabei eine zufriedenstellende Korrelation (r = -0,84) mit dem Glukose-Mittelwert. Diese „Time in Range“ (TiR) ist ebenfalls ein empfohlener Parameter im Konsensus-Statement.2 Trotzdem ergeben sich erhebliche Abweichungen, wenn man mögliche HbA1c-Werte bei einer festgelegten TiR in einem 95%igen Konfidenzintervall betrachtet – hier ist die Frage, ob diese klinisch relevant sind. Weiter hängt die Korrelation zwischen TiR und HbA1c bei einer Kohorte von der Streuung der Werte ab. Das macht eine solche Umrechnung problematisch.

Angesichts weiterer Einflüsse auf das Risiko für dia­betische Folgeerkrankungen, wie die glykämische Variabilität, ist die Entwicklung einer komplexeren Metrik nötig. Wie vom HbA1c bekannt, ist dieser am Mittelwert der Glukose orientiert, bildet also auch Glukoseschwankungen und deren Ursachen, insbesondere Hypoglykämien, nicht ab. Die Berechnung des HbA1c bzw. GMI aus Parametern wie der TiR oder dem Mittelwert der Glukose ändert also nichts an den Limitierungen des HbA1c.

Grundsätzlich ist aber die Ermittlung des HbA1c aus CGM-Daten sinnvoll. Allerdings ist zu beachten, dass die übliche Messung des HbA1c unabhängig von der Messmethode CGM ist und damit eine zusätzliche Sicherheit bietet.

1. Nathan DM et al. Diabetologia 2007; 50: 2239-2244
2. Danne T et al. Diabetes Care 2017; 40: 1631-1640
3. Bergenstal et al. Diabetes Care 2018; 41: 2275-2280
4. Vigersky RA, McMahon C. Diabetes Technol Ther 2019; 21: 81-85

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