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Schilddrüsenstörungen begünstigen Broken-Heart-Syndrom

Autor: Dr. Judith Lorenz

Dilatierter rechter Ventrikel in der Akutphase (A). Sechs Tage später (B) ist die Funktion wiederhergestellt. Dilatierter rechter Ventrikel in der Akutphase (A). Sechs Tage später (B) ist die Funktion wiederhergestellt. © wikimedia/Tara C Gangadhar, Elisabeth Von der Lohe, Stephen G Sawada und Paul R Helft
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Wissenschaftler haben ein neues Erklärungsmodell für das Takotsubo-Syndrom entwickelt. Demnach ist bei der Kardiomyopathie häufig die Schilddrüsenfunktion gestört.

Extreme Stressereignisse können eine akute Kardiomyopathie, das sogenannte Tak­otsubo- oder Broken-Heart-Syndrom, auslösen. Pathogenetisch spielen bei dieser potenziell lebensbedrohlichen Herzerkrankung vermutlich hormonelle Ursachen eine Rolle.

Das Wissenschaftlerteam um Dr. Assem ­Aweimer von der Abteilung für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum fand nun heraus, dass offenbar Schilddrüsenfunktionsstörungen den Herzmuskel für Stresshormone sensibilisieren und das Auftreten eines Takotsubo-Syndroms begünstigen. Die Erkrankung ähnelt häufig klinisch, elektrokardio­graphisch und laborchemisch dem akuten Koronarsyndrom, berichten die Forscher. In den meisten Fällen erholt sich die linksventrikuläre Funktion wieder, schwere Verläufe sind jedoch möglich. 

Die meisten Betroffenen hatten mehr freies Thyroxin im Blut

Um zu klären, welche Rolle dem Schilddrüsenstoffwechsel bei der Entstehung dieser Stress-Kardiomyopathie zukommt, bestimmte die Bochumer Arbeitsgruppe gemeinsam mit Kollegen aus Mannheim die Schilddrüsenparameter von 16 Patienten mit akutem Takotsubo-Syndrom. Die Vergleichskollektive bildeten 16 Personen mit akutem Koronarsyndrom und ebenso viele Gesunde.

Die Kranken mit der stressinduzierten Kardiomyopathie wiesen sowohl im Vergleich zu den Kontrollpersonen als auch gegenüber den Infarktpatienten höhere Konzentrationen an freiem Thyroxin (FT4) auf. Nur sechs Takotsubo-Kranke (38 %) hatten ein unauffälliges Hormonprofil. Die Mehrzahl der Betroffenen litt dagegen entweder bereits zu Beginn an einer subklinischen oder manifesten Hyperthyreose, entwickelte diese während des stationären Aufenthalts oder hatte erhöhte FT4-Konzentrationen bei normwertigem Thyrotropin. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und systembiologischen Modellen identifizierten die Forscher zwei Takotsubo-Unterformen: Beim endokrinen Typ liegt eine Hyperthyreose vor, die zur Entwicklung der Herzkrankheit beiträgt. Die zweite Form, der sogenannte Stresstyp, ist durch einen erhöhten Sollwert der Schilddrüsenregulation gekennzeichnet, der wohl unmittelbar mit dem Stressereignis zusammenhängt.

Quelle: Aweimer A et al. J Intern Med 2020; DOI: 10.1111/joim.13189

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