Schokoladensucht: Das unerfüllte Verlangen

Autor: Marlies Michaelis

Die Verbraucher bevorzugen Milchschokolade und Konfekt mit einem geringeren Kakaogehalt. © iStock/assalve

Viele Menschen halten sich für schokoladensüchtig – Grund für diese Sucht, so der britische Psychologe Peter Rogers, seien nicht vornehmlich in der Schoki enthaltene psychoaktive Substanzen sondern ein ambivalentes Verhältnis zum dunklen Stoff.

Verlockend liegt sie in den Regalen der Supermärkte oder im Vorratsschrank, und viele bekennen, dass sie keinen Tag ohne auskommen: ohne die Schokolade. Grund dafür sei auch ein ambivalentes Verhältnis zu dem begehrten, aber bedrohlichen Stoff, so der britische Psychologe Peter Rogers von der University of Bristol auf der Jahrestagung der British Association for the Advancement of Science.

Die Lust am Verbotenen ist laut der Meinung des Briten ein Hauptmotiv für das besondere Verlangen nach der Schokolade. „Das heißt allerdings nicht, dass chemische Wirkungen keine Rolle spielen“, so Rogers. Als stoffliche Verführer macht er Zucker und Fett aus – diese Zutaten sind allerdings sowohl in der Schokolade als auch in zahlreichen anderen Süßigkeiten enthalten. „Eine bessere Erklärung liefert unser ambivalentes Verhältnis zur Schokolade – sie ist besonders begehrt, sollte aber nur eingeschränkt verzehrt werden“ – und dies führe, so Rogers weiter, zu dem besonderen Wunsch nach der Schokolade, welcher dann auch als Sucht verstanden wird.

Zusätzlich verbergen sich in dem dunklen Stoff auch einige psychoaktive Bestandteile, welche die These von einer substanziellen Schokoladensucht stützen könnten - doch wie schon australische Forscher um Gordon Parker von der University of New South Wales in einer 2006 im Journal of Affective Disorders veröffentlichten Studie zusammenfassten, reichen die Konzentrationen dieser Menge in der Schokolade nicht aus, um maßgeblich auf die Psyche zu wirken. Zudem enthalten viele andere Lebensmittel höhere Mengen dieser Substanzen.

Gegen eine Sucht nach diesen psychoaktiven Substanzen des Kakaos wie beispielsweise dem Theobromin, welches die Stimmung verbessert, spricht auch, dass die besonders kakaohaltigen Sorten, die dunklen Schokoladen, gar nicht zu den beliebten Schokoladensorten gehören. Die Verbraucher bevorzugen stattdessen Milchschokolade und Konfekt mit einem wesentlich geringeren Kakaogehalt.

Wer nicht zu den Schokoladensüchtigen zählt und nur geringe Mengen des dunklen Stoffs isst, kann sich freuen – denn neben Fett und Zucker enthalten schon wenige Stücke Schokolade ausreichend Flavonoide, die den Blutdruck senken und die Gefäße schützen.

Quelle: Parker G et al. J Affect Disord. 2006 Jun; 92:149-59