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Septische Arthritis mithilfe von Urin-Teststreifen schneller ausschließen

Autor: Dr. Anne Benckendorff

57 Krankenhaustage hätten einspart werden können, wenn man diese Patienten direkt nach dem Test entlassen und nur ambulant weiterbetreut hätte. 57 Krankenhaustage hätten einspart werden können, wenn man diese Patienten direkt nach dem Test entlassen und nur ambulant weiterbetreut hätte. © iStock/BENCHAMAT1234
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Ließe sich bei Patienten mit überwärmtem Gelenk eine septische Arthritis direkt ausschließen, könnte dies einiges an Arbeit einsparen. Dass dies über einen Urin-Teststreifen funktioniert, zeigt eine neue Studie.

Klagt ein Patient über ein überwärmtes, entzündetes Gelenk, gilt es, eine septische Arthritis auszuschließen. Dazu muss man nach derzeitigem Standard eine 48-h-Kultur aus der Synovialflüssigkeit ansetzen und eine Gramfärbung durchführen. Beides ist arbeitsintensiv und braucht Zeit – zumal die meisten Fälle nicht-infektiöser Natur sind. Forscher aus England haben deshalb untersucht, ob sich der Prozess mit handelsüblichen Urin-Teststreifen beschleunigen lässt.

Die Idee basiert auf dem Nachweis der Leukozytenesterase (LE), einem Enzym, das von aktivierten Immunzellen sezerniert wird und so einen Hinweis auf eine erhöhte Leukozytenzahl bzw. Infektion liefert. Bei Patienten mit Gelenkprotheseninfektionen ließ sich in einer Studie für den LE-Test unter Verwendung von Synovialflüssigkeit anstatt Urin eine Sensitivität von 81 % und Spezifität von 100 % ermitteln.

In die aktuelle prospektive Untersuchung zur septischen Arthritis bei nativen Gelenken wurden insgesamt 80 Erwachsene mit Verdacht auf septische Arthritis eingeschlossen. Direkt nach der Gelenkpunktion gab man einen Tropfen Synovialflüssigkeit auf das entsprechende Feld eines Urin-Teststreifens, während mit der restlichen Probe wie üblich verfahren wurde.

Das LE-Testergebnis war bei 11 % der Patienten negativ und bei 18 % einfach positiv (+), was die Forscher beides als negatives Ergebnis werteten. Bei 30 % und 41 % fiel der LE-Test dagegen eindeutig positiv (++ bzw. +++) aus. Fünf dieser Patienten waren auch in der Bakterienkultur positiv. Lediglich bei einem dieser fünf bestätigte auch die Gramfärbung das positive Resultat.

Vortest kann Belastung auf den Stationen reduzieren

Diese Ergebnisse übersetzen sich in eine Sensitivität des LE-Tests von 100 % und eine Spezifität von 31 %. Wichtiger als der schlechte positive Vorhersagewert sei allerdings, dass alle 23 Patienten mit einem als negativ gewerteten Test auch in der Kultur negativ blieben, entsprechend einem negativen Vorhersagewert von 100 %, heißt es in der Studie. Daraus berechneten die Forscher, dass man 57 Krankenhaustage hätte einsparen können, wenn man diese Patienten direkt nach dem Test entlassen und nur ambulant weiterbetreut hätte, anstatt sie bis zum Ergebnis der Kultur stationär aufzunehmen.

Quelle: Knapper T et al. Emerg Med J 2021; DOI: 10.1136/emermed-2020-209842

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