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Schlaganfall So sah es im ersten Pandemiejahr in den Stroke Units aus

Autor: Dr. Angelika Bischoff

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Durch SARS-CoV-2 sind andere schwere Erkrankungen oft ins Hintertreffen geraten. Weniger Betroffene gab es deswegen aber nicht. Wie haben sich die ersten Wellen der Pandemie auf die Versorgung von Schlaganfallpatienten ausgewirkt?

Weltweit hat die Zahl von Patienten, die notfallmäßig ins Krankenhaus kamen, in der ersten Phase der Coronapandemie von einem vorher mehr oder weniger konstanten Niveau plötzlich deutlich abgenommen. Auch manche Stroke-Units waren Berichten zufolge plötzlich „leer“. 

Aus administrativen DRG-Daten von 1.463 deutschen Krankenhäusern geht hervor, dass in der pandemischen Periode von Mitte März bis Mitte Mai 2020 insgesamt 31.165 Schlaganfall-Patienten behandelt wurden. Von Mitte Januar bis Mitte März 2020 waren es dagegen 37.748 Fälle. Diese Zahl lag relativ nahe an der einer historischen Kontrollperiode von Mitte März bis Mitte Mai 2019, in der 38.247 Patienten registriert wurden. 

Prozentual ergab sich ein Rückgang der Patientenzahlen während der ersten Welle von 17,4 % für akute Hirninfarkte, 22,9 % für TIA und 15,8 % für Hirnblutungen, berichtete Dr. Daniel Richter, Klinikum Bochum. Die demografischen Daten der Patienten veränderten sich durchschnittlich nicht wesentlich.

Wie hat sich die Pandemie auf die Qualität der Akuttherapie ausgewirkt? Die Thrombolyse-Rate blieb weitgehend unverändert. Gestiegen ist allerdings während der ersten Welle die Thrombektomie-Rate, und zwar von 7,7 % auf 8,1 %. Es starben auch mehr Patienten im Krankenhaus. Die Mortalität von Hirninfarkten stieg von 7,4 % auf 8,1 %, die von Hirnblutungen von 29,2 % auf 34,9 %. Dr. Richter schloss daraus, dass sich in der ersten Welle vor allem schwerer betroffene Patienten vorgestellt haben. 

Von den mehr als 30.000 Patienten, die von Mitte Januar bis Mitte Mai 2020 wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, erlitten 1,2 % einen Hirninfarkt. In dieser Kohorte beobachtete man im Vergleich zu Hirninfarkt-Patienten ohne COVID-19 eine etwas geringere Thrombektomie-Rate. Ansons­ten war die Akuttherapie in etwa vergleichbar. 

Patientenzahlen blieben von zweiter Welle unbeeinflusst

In der zweiten Welle blieb ein Einbruch der Notfall-Patientenzahlen aus. Gleichzeitig stieg die Zahl von stationär behandelten COVID-Kranken in dieser Zeit deutlich an. Über die gesamten zwei Wellen des Jahres 2020 wurden insgesamt 157.513 Patienten mit COVID-19 behandelt, darunter 1.268 Patienten, die einen Hirninfarkt erlitten hatten. Im Vergleich zu Hirninfarkt-Patienten ohne COVID-19 wurden sie aus nachvollziehbaren Gründen seltener in der Stroke Unit behandelt (48,8 % vs. 75,5 %). Sie erhielten aber nur geringfügig seltener eine Thrombolyse (15,9 % vs. 16,3 %) und häufiger eine Thrombektomie (8,4 % vs. 7,9 %). Allerdings hatten Schlaganfall-Patienten mit COVID-19 eine deutlich erhöhte Krankenhaussterblichkeit (22,8 % vs. 7,5 %). 

Kongressbericht: Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin 2022

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