Spiegeltherapie heilt Mini-Penis

Autor: abc/MW

Zu kleiner Penis? Nicht alle Patienten sind überhaupt über normale Penisgrößen informiert. © iStock/igor_kell

Fast jeder zweite Mann wünscht sich einen größeren Penis. Bei manchen nimmt die Angst vorm Mini-Penis krankhafte Züge an. Womit kann man ihnen helfen? Unter anderem mit einem großen Spiegel.

Der Wunsch nach einem großen Penis ist offenbar in archaischem Imponiergehabe verwurzelt. In vielen Kulturen versuchten Männer seit jeher, ihr Begattungsorgan aufzupeppen, berichten Dr. Kevan R. Wylie aus Sheffield und Dr. Ian Eardley aus Leeds: Sadhus – die „heiligen Männer“ in Indien – hingen sich Gewichte an ihr bestes Stück. Brasilianische Topinama-Indianer ließen Giftschlangen hineinbeißen, um eine sechs Monate anhaltende Vergrößerung zu erreichen.

Jeder zweite Mann will größeren Penis

Dabei hat die Bestückung eines Mannes für Frauen gar nicht die überragende Bedeutung, erklären die beiden Urologen. Persönlichkeit und gepflegtes Äußeres seien Frauen wichtiger als ein großes Glied. Auch ergab eine Internetbefragung bei über 50 000 Personen, dass 85 % der Frauen mit der Penisgröße ihres Partners zufrieden waren. Die Männer selbst jedoch wünschten sich zu 45 % größer ausgestattet zu sein. Die britischen Kollegen vermuten, dass die Einschätzung der Penisgröße auch vom allgemeinen Selbstwertgefühl beeinflusst wird. Auch dürfte den meisten unbekannt sein, wie lang ein durchschnittliches Glied ist und dass es hier Variablen gibt.

Totale Isolation aus Angst vor Sex

So bringen es Italiener in schlaffem Zustand im Schnitt auf 9 cm Länge, Türken auf 6,8 cm. Deutsche liegen mit 8,6 cm im Mittelfeld. Nicht erigiert, aber straff gezogen, weist ein Penis typischerweise eine Länge zwischen 12 und 13 cm auf. Von einem wirklich zu kleinen Glied, einem Mikropenis, spricht man erst, wenn schlaff und lang gezogen weniger als 7 cm gemessen werden.

Auch bei Männern mit durchaus normalen Maßen kommt es vor, dass die Vorstellung, einen zu kleinen Penis zu haben, zunehmend die Gedanken beherrscht und das Verhalten im Alltag bestimmt. Man spricht vom small penis syndrome (SPS) oder Umkleideraumsyndrom (Betroffene meiden strickt alle Situationen und Orte, in denen sie von anderen nackt gesehen werden können). Das sexuelle Selbstvertrauen der Männer geht den Bach hinunter. Sie gehen keine Beziehungen ein oder brechen bestehende Beziehungen ab. Es kann zur völligen sozialen Isolation kommen. Einzuordnen ist das SPS als Dysmorphophobie (auch body dysmorphic disorder – BDD – genannt).

Spiegel erleichtert objektiven Blick

Zunächst sollte ein solcher Patient über normale Penisgrößen informiert werden, raten die britischen Experten. Hilfreich sei auch „Spiegelarbeit“. Hierbei stellt sich der Betroffene vor einen Spiegel, in dem er sich in voller Körpergröße sieht – vom Scheitel bis zur Sohle. So kann er sich aus dem gleichen Blickwinkel betrachten, aus dem er auch andere Männer sieht, und die Penisgröße richtig einordnen. Schaut Mann einfach an sich herunter, wirkt das Glied nämlich kleiner, wenn es nicht sogar vom Bierbauch verdeckt wird. Lohnenswert ist auch ein Versuch mit Psychotherapie, etwa kognitiver Verhaltenstherapie. Medikamentös kommen z.B. selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer und/oder Anxiolytika infrage.

Ob und inwieweit die unter anderem im Internet zur Vergrößerung der Männlichkeit propagierten Penis-Extensoren, Vakuum-Apparate und ähnliche Gerätschaften wirklich funktionieren, lassen die Urologen dahingestellt. Die Evidenz sei dürftig. Auch operative Ansätze zur Penisvergrößerung – von der suprapubischen Lipektomie bis zum Durchtrennen des Lig. suspensorium penis oder zu Augmentationen – bewerten Dr. Wylie und Dr. Eardley eher skeptisch. Der Versuch, psychiatrische Probleme durch „Schönheitschirurgie“ zu beseitigen, sei oft zum Scheitern verurteilt. Abgesehen davon würden die meisten Männer sich nicht unters Messer legen, wenn man sie umfassend über mögliche Komplikationen aufklärt. Was nutzt z.B. ein größeres Glied mit tauber, gefühlloser Eichel?