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Stent kann bei extrakranieller Dissektion der Halsschlagader die Prognose bessern

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Wie bei einer Stenose hilft der Stent auch beim Riss. Wie bei einer Stenose hilft der Stent auch beim Riss. © Science Photo Library/Zephyr
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Einen Riss in der Halsschlagader behandelt man für gewöhnlich konservativ. Dabei scheint ein Eingriff häufig die bessere Wahl zu sein.

Zu den gefährlichsten Traumafolgen zählt die extrakranielle Dissektion der Carotis interna. Die Ursachen dieser häufig tödlichen, auch beidseitig auftretenden Gefäßwandschädigung reichen vom Motorradunfall bis hin zur Strangulation. Als typische Symptome gelten Schlaganfall, Schwindel und Horner-Syndrom. Wer frühzeitig Verdacht schöpft und umgehend behandelt, kann das Leben des Patienten retten – mit einem guten funktionellen Ergebnis.

Unter Pharmakotherapie ist das Blutungsrisiko oft zu hoch

Als therapeutischer Standard bei extrakranieller Dissektion galt bisher die konservative Behandlung mittels Plättchenhemmung bzw. Antiko­agulation. Diese ist jedoch oft nicht möglich, weil das Blutungsrisiko zu hoch ist – etwa im Fall zusätzlicher Traumata wie intrakranieller Hämorrhagien oder penetrierender Verletzungen. In solchen Fällen kann eine endovaskuläre Versorgung mit Carotisstent von Vorteil sein, wie eine Studienübersicht ergab, die Professor Dr. Martin­ Storck vom Städtischen Klinikum Karlsruhe vorstellte.1

In die Auswertung gingen die Daten von 179 Patienten mit traumatischer Gefäßwandschädigung der A. carotis interna ein, die sich einem klassischen Stenting unterzogen hatten. Drei Viertel der Betroffenen zeigten dissektionstypische Symptome und knapp zwei Drittel hatten ein Begleitaneurysma. In den ersten 30 Tagen nach der Intervention erlitten zehn Patienten ein schweres unerwünschtes Ereignis (TIA, Schlaganfall) oder starben. Während der mehr als zweijährigen Nachbeobachtungszeit traten keine dissektionsbedingten Hirninsulte oder Todesfälle mehr auf. Nur zwei Patienten benötigten eine erneute Angio­plastie, was einer relativ geringen Komplikationsrate entspricht. Das „Dogma“ der konservativen Behandlung bei der akuten extrakraniellen Dissektion lässt sich somit nicht mehr halten, die Tendenz geht mehr in Richtung endovaskuläre Behandlung, resümierte der Gefäßchirurg.

Quelle: 12. Interdisziplinäres Update Gefäßmedizin*

*Online-Veranstaltung

1. Texakakalidis P et al. Neurosurg Rev 2020; 43: 931-940; DOI: 10.1007/s10143-019-01092-6

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