Unregelmäßigkeiten im Schlafrhythmus sind wohl schädlicher als eine zu kurze Schlafdauer

Autor: Michael Brendler

Ein unregelmäßiger Schlaf macht muntere Menschen müde. © iStock.com/bymuratdeniz

Von geregeltem Schlaf können Schichtarbeiter nur träumen. Aber auch für viele mit klassischem 9-to-5-Job sind geregelte Zubettgehzeiten eher Kinderkram. Zu Unrecht, fürchten Experten.

Sleep Regularity Index – so nennen Dr. Jessica Lunsford-Avery und ihre Kollegen die neue Maßeinheit. Sie beschreibt die Wahrscheinlichkeit, wie regelmäßig eine Person zur selben Zeit ins Bett geht bzw. aufsteht. In ihrer Untersuchung von 1978 Menschen im durchschnittlichen Alter von 79 Jahren waren die unregelmäßigen Schläfer einem höheren kardiovaskulären Risiko ausgesetzt. Der Zusammenhang scheint in ihrer Auswertung sogar stärker zu sein als der zwischen Schlafdauer oder Einschlafzeit und Herz-Kreislauf-Krankheiten, schreiben die Psychologin von der Abteilung für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften der Duke Universität im amerikanischen Durham und ihr Team. Zudem waren diese Personen anfälliger für Depressionen und Stress und tagsüber auch die müderen und inaktiveren Zeitgenossen.

Allerdings bleibt die Frage offen: Führte ein unregelmäßiger Schlafrhythmus selbst zu höherem Körpergewicht und innerhalb von zehn Jahren zu häufigeren Herzinfarkten und Schlaganfällen? Oder konnten dicke oder herzkranke Menschen nur schlechter (ein)schlafen?

Über die Ursachen können Dr. Lunsford-Avery und Kollegen bisher nur spekulieren: Womöglich wirkten sich wechselnde Einschlafzeiten unter anderem auf den Ener­gie- und Glukose-Metabolismus und die Essensrhythmen aus. Bei Schichtarbeitern hatte man ähnliches schon früher beobachtet. Die aktuelle Studie lege nun nahe, dass derartige Zusammenhänge auch für breitere Bevölkerungsschichten gelten.

Bislang sei es aber nur eine Assoziation, betonen die Autoren. Allerdings könnte der unregelmäßige Schlaf ein potenzielles kardiovaskuläres Risiko darstellen. Daher hoffen sie, mit ihrem neuen Index bald besonders gefährdete Patienten identifizieren zu können.

Quelle: Lunsford-Avery J et al. Sci Rep 2018; 8: 14158