Valproatverordnungen mäßig rückläufig

Autor: Dr. Judith Lorenz

Dem Neugeborenen drohen kognitive Defizite, Autismus und Entwicklungsstörungen. © fotolia/Syda Productions

Die Europäische Arzneimittelbehörde rät, Valproat bei Patientinnen im gebärfähigen Alter nur als letzte Alternative einzusetzen. Nun wurde untersucht, wie dies in deutschen Praxen umgesetzt wird.

Zwei von drei Patientinnen erhalten Valproat aufgrund einer Epilepsie. Mit rund 14 % der Verschreibungen stellen bipolare Störungen die zweithäufigste Indikation. Die Gefahren besonders für Schwangere sollten Kollegen kennen. Das Medikament erhöht das Risiko von Neuralrohrdefekten um das Neun- bis Zwölffache. Zudem kann es zu psychomotorischen Entwicklungsstörungen, Autismus und kognitiven Defiziten der Kinder führen. 2014 klärte ein Roter-Hand-Brief Ärzte umfassend darüber auf.

Ob sich seither etwas bei den Verschreibungen getan hat, war bislang unklar. Jetzt analysierten Epidemio­logen Daten von 3,5 Millionen Mädchen und Frauen aus den Jahren 2004 bis 2016. Gemäß den Angaben der Forschungsdatenbank GePaRD lösten bis zu 10 278 Patientinnen im Alter von 12–50 Jahren jährlich mindestens ein Valproat-Rezept ein. Zwischen 2004 und 2015 ging die Rate um 22 % zurück, bis 2016 um weitere 8 %. Am stärksten rückläufig waren Verschreibungen bei den 16–20-Jährigen. Die Forscher fanden zudem eine deutliche Korrelation zwischen Alter und eingelösten Rezepten: je älter die Frauen, desto höher die Verordnungsrate.

Anzahl der Rezepte wegen bipolarer Störung konstant

Unterschiede zeigten sich auch zwischen den Indikationen. Während Epileptikerinnen fast 10 % weniger Rezepte bekamen, blieben die Verordnungen bei Frauen mit bipolaren Störungen nahezu identisch. Für die Experten ist das bedenklich, stehen für sie doch Alternativen mit geringerem fetalen Schädigungspotenzial zur Verfügung.

Quelle: Wentzell N et al. Bundesgesundheitsbl 2018; 61: 1022-1029