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Was ist die „mean absolute relative difference”?

diatec journal: Lexikon Autor: Dr. Andreas Thomas

Der MARD-Wert wird genutzt, um die Messgenauigkeit von Blutzuckermessgeräten zu prüfen. Der MARD-Wert wird genutzt, um die Messgenauigkeit von Blutzuckermessgeräten zu prüfen. © istock.com/pearleye
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Um die Genauigkeit von Blutzuckermessgeräten zu prüfen, wird der MARD-Wert genutzt. Aber bei CGM gibt es viel zu beachten.

Die Beurteilung der Messgenauigkeit von Blutzuckermessgeräten und CGM-Systemen erfolgt primär über die mittlere absolute relative Abweichung (MARD). Ein mit einem Messsystem ermittelter Wert wird verglichen mit dem Messwert eines Referenzgerätes, vorzugsweise eines Produkts, das wegen seiner hohen Genauigkeit als Standard gelten kann (z.B. das YSI). Aus der Differenz beider Werte ergibt sich die relative Abweichung. Man nimmt den Betrag der Differenz, weil diese sowohl positive als auch negative Werte annehmen kann (siehe Formel). Wenn man so will, ist die MARD der Mittelwert über jede einzelne relative Abweichung.

Wird die MARD für ein Blutzuckermessgerät angegeben, so ist zu sichern, dass ein plasmakalibriertes Gerät auch mit Plasmawerten des Laborgerätes verglichen wird, denn die im Plasma gemessenen Werte liegen ca. 11 % höher als im Vollblut. Prinzipiell ist damit der Vergleich der Werte in gleichen Kompartimenten messtechnisch exakt; existieren definierte Umrechnungen ist er aber auch für verschiedene Kompartimente machbar.

Die Situation bei CGM-Systemen

Deutlich verschieden ist die Situation beim CGM. Die CGM-Sensoren messen im Unterhautfettgewebe, das Laborgerät im Blut. Die Kompartimente weisen nur bei Glukosestabilität den gleichen Glukosewert auf. Bei Anstiegen bzw. Abfällen kommt es zu einem Nachhängen („time lag”) der Glukosekonzentration im Gewebe. Diese ist individuell, aber auch intraindividuell unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere der Geschwindigkeit der Glukoseänderung (entspricht dem Anstieg bzw. Abfall der CGM-Kurve).

Diese wiederum wird bestimmt von der Art der Nahrung, der Insulinwirkung, dem individuellen Metabolismus und Faktoren wie körperliche Aktivität/Sport, Stress usw. (physiologischer „time-lag“). Schließlich hängt die MARD auch noch von der Kalibrierung der Sensoren ab – ein Faktor, der bei werkskalibrierten Sensoren entfällt (FreeStyle Libre). Daneben hängt der „time lag“ noch vom Algorithmus des CGM-Systems (technischer „time lag”) ab. Letzterer verringerte sich bei neuen Sensorgenerationen aufgrund verbesserter Algorithmen. Der physiologische „time lag” bleibt bestehen.

Folglich ist die MARD ein Parameter, der bei einer Beurteilung eines CGM sorgfältig bestimmt werden muss, und zwar nur bei einem stabilen Glukoseverlauf. Eine Bestimmung im Zustand der Glukosedynamik (Mahlzeiten, körperliche Aktivität/Sport, Insulinlast, vor und nach Hypoglykämien) macht den Parameter willkürlich.

Leider wurden die Messbedingungen für die MARD noch nicht standardisiert. Das führt in verschiedenen Publikationen zu unterschiedlichen Angaben für ein und dasselbe CGM-System. Eine vernünftige Einschätzung der Messgenauigkeit ergeben „Head-to-Head”-Vergleiche, bei denen mehrere Sensoren simultan getragen werden. Die Glukosewerte sind dann relativ zueinander richtig.

Mathematische Zusammenhänge

Relative Abweichung = I(Wertx – WertReferenz)I / WertReferenz

Liegt nun eine gewisse Anzahl von Messwerten vor, so wird über alle Messwertpaare summiert und durch deren Anzahl geteilt. Das ist die MARD.

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