Rheumaschmerz im Fokus Wenn Entzündungskontrolle nicht reicht
Bis zu jede vierte Person mit ankylosierender Spondylitis leidet an Schmerzen der Stärke 7 bis 10.
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Die Inflammation zurückfahren und damit auch die Schmerzen nehmen? So einfach ist es bei rheumatischen Erkrankungen leider nicht. Selbst wenn keine Entzündungsaktivität mehr nachgewiesen werden kann, haben etliche Betroffene weiterhin teils starke Beschwerden.
In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Rheumatherapie einiges getan und der Anteil von Patientinnen und Patienten mit starken Schmerzen ist sukzessive zurückgegangen. Dennoch litten im Jahr 2019 laut Kerndokumentation noch 13–15 % derjenigen mit rheumatoider Arthritis (RA) unter Schmerzen der Stärke 7–10 gemäß visueller Analogskala. Für Menschen mit ankylosierender Spondylitis galt dies zu 13–24 %, für jene mit Psoriasisarthritis zu 13–21 % und für solche mit systemischem Lupus erythematodes zu 11–12 %, berichtete der Rheumatologe Prof. Dr. Christoph Baerwald, Leipzig. Die stärkste Schmerzlast lag jeweils in den ersten beiden Krankheitsjahren vor.
Nun könnte man annehmen, dass sich die Situation der Kranken durch die Einführung von Biologika und JAK-Inhibitoren entscheidend gebessert hätte. Doch dies ist offenbar nicht der Fall. Eine Auswertung für das Jahr 2023 ergab, dass von 4.847 RA-Patientinnen und Patienten 16 % weiterhin unter starken und 33 % unter moderaten Schmerzen litten. „Es tut sich nichts über die Jahre“, kommentierte der Kollege.
Dies könnte unter anderem daran liegen, dass der Aspekt Schmerz bei vielen Rheumatologinnen und Rheumatologen kaum eine Rolle spielt. Sie erfassen die Zahl der geschwollenen Gelenke, fokussieren therapeutisch auf die Krankheitsaktivität und erwarten, dass mit der Inflammation auch die quälenden Beschwerden verschwinden. Allerdings übersehen sie dabei, dass gemäß dem Mixed-Pain-Konzept neben dem nozizeptiven auch ein peripher neuropathischer und ein zentral noziplastischer Schmerz vorhanden sein können, die anders zu adressieren sind.
Wie häufig regionale (≤ 3 betroffene Bereiche) und weitverbreitete Schmerzen (> 3 Regionen) sind, wurde in einer kanadischen Studie bei Patientinnen und Patienten mit früher RA erfasst. Zwölf Monate nach der Diagnose lagen in fast jedem vierten Fall regionale und in 9 % weitverbreitete Schmerzen vor. Eine ähnliche Arbeit wurde kürzlich beim amerikanischen Rheumatologenkongress vorgestellt. Von472 Personen mit früher RA und einer Symptomdauer von maximal einem Jahr gaben 37 % nichtartikuläre Schmerzen in bis zu drei Körperregionen an. 15 % klagten über Beschwerden in mindestens vier Körperregionen, was mit einer schlechteren Funktion assoziiert war, informierte der Referent.
62 % der inakzeptablen Schmerzen waren refraktär
Eine weitere Studie beschäftigte sich mit dem Schmerz bei früher RA (< 24 Monate Dauer) nach intensiver Therapie mit Steroiden, konventionellen DMARD oder Biologika. Klagten initial 73 % der Erkrankten über einen inakzeptablen Schmerz (> 4 auf der VAS), waren es nach 48 Wochen nur noch 10 %. Einen refraktären, inakzeptablen Schmerz trotz Kontrolle der Entzündung wiesen 6 % auf. D. h., der refraktäre machte 62 % des inakzeptablen Schmerzes aus.
Auf Basis dieser Erkenntnisse forderte Prof. Baerwald seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, in der Praxis nicht nur die Inflammation als Ursache von Schmerzen bei Rheuma in Betracht zu ziehen, sondern auch andere Schmerzarten. Schließlich gebe es Möglichkeiten, Schmerzempfinden und -weiterleitung peripher und zentral zu modulieren.
Deutscher Schmerzkongress 2025