MRT bei Prostata­krebsvorsorge Wertvolle Ergänzung oder teure Überdiagnostik?

Autor: Dr. Dorothea Ranft

In der Praxis wird die MRT als Sichtungsuntersuchung empfohlen. In der Praxis wird die MRT als Sichtungsuntersuchung empfohlen. © digitale-fotografien – stock.adobe.com

Im Rahmen der Prostatakrebsvorsorge führte die MRT mehr Läsionen zutage, insbesondere bei unauffälligen PSA-Werten. Inwieweit es sich dabei um Überdiagnosen handelt, hängt nach wie vo u.a. vom Alter des Patienten ab.

Die Bedeutung der Kernspintomografie in der Prostata­krebsvorsorge ist umstritten. Die prospektive Re-Imagine-Studie widmete sich deshalb dem Stellenwert von MRT und PSA-Test unter Alltagsbedingungen. Teilnehmer waren Londoner Hausarztpatienten zwischen 50 und 75 Jahren. Ver­glichen wurden MRT und PSA-Dichtemessung. Letztere bezeichnet den Quotienten aus PSA-Spiegel und Prostatavolumen und erleichtert die Differenzierung zwischen benigner Vergrößerung und Karzinom. Probanden mit pathologischer MRT oder erhöhter PSA-Dichte wurde eine fachärztliche Abklärung empfohlen. Acht Primärarztpraxen luden 2.096 Männer zum Screening ein, 457 beantworteten die Anfrage, 303 unterzogen sich beiden Verfahren. 

Bei jedem Sechsten (16 %) fand sich eine Läsion in der MRT und einer von 20 Teilnehmern zeigte eine isoliert erhöhte PSA-Dichte. Mehr als die Hälfte der Patienten mit im Anschluss gesichertem relevantem Karzinom hatte einen PSA-Wert < 3 ng/ml. Weniger als 1 % der Männer mit „harmloser“ Veränderung wurden überdiagnostiziert.

In der Praxis wird die MRT als Sichtungsuntersuchung empfohlen. Sie soll vor einer etwaigen Biopsie durchgeführt werden, wenn Patienten einen pathologischen Befund im PSA-Test oder in der rektalen digitalen Palpation aufweisen. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass die Antigenuntersuchung keineswegs alle Männer mit erhöhtem Risiko für ein Prostatakarzinom erfasst. So auch das ernüchternde Ergebnis der aktuellen Studie: Zwei von drei Probanden mit krankhaftem MRT-Befund hatten ein PSA < 3 ng/ml, sie wären also ohne Kernspin nicht erkannt worden

Außerdem ermöglicht die radio­logische Diagnostik eine Früh­erkennung eventuell schon, bevor das prostataspezifische Antigen ansteigt. Umgekehrt detektiert die MRT auch Tumoren, die den Patienten zeitlebens überhaupt nicht gestört hätten. Sie könnte also zu einer gewissen Überdiagnose führen. Damit dies nicht passiert, schlagen die Autoren vor, den PSA-Test zu wiederholen, um einen Anstieg nachzuweisen.

Quelle: Moore CM et al. BMJ Oncology 2023; DOI: 10.1136/bmjonc-2023-000057