App-Therapie nur Übergangslösung Wie wirksam sind Therapie-Apps wirklich?

Autor: Dr. Sabine Debertshäuser

Trotz eines hohen Bedarfs besteht weltweit eine erhebliche Versorgungslücke im Bereich der psychischen Gesundheit, gleichzeitig wächst das Angebot von Gesundheitsapps stetig. Trotz eines hohen Bedarfs besteht weltweit eine erhebliche Versorgungslücke im Bereich der psychischen Gesundheit, gleichzeitig wächst das Angebot von Gesundheitsapps stetig. © Twopictures – stock.adobe.com (Generiert mit KI)

Das Angebot von Gesundheitsapps wächst. Doch wie effektiv sind die Anwendungen bei psychischen Störungen wie Depression oder Schlafstörungen? Eine Metaanalyse zeigt: Die Apps erzielen nicht in allen Fällen eine signifikante Wirkung.

Trotz eines hohen Bedarfs besteht weltweit eine erhebliche Versorgungslücke im Bereich der psychischen Gesundheit, gleichzeitig wächst das Angebot von Gesundheitsapps stetig. Das Potenzial einer Therapie per Smartphone liegt auf der Hand: Personen, die z. B. auf eine Behandlung warten oder in unterversorgten Regionen leben, könnte man zeit- und ortsunabhängig eine niederschwellige Hilfe anbieten. 

Metaanalyse mit über 21.700 Teilnehmenden

Allerdings ist die Evidenz­lage zu den Apps noch nicht eindeutig, schreibt ein Team um Jennifer­ Kulke­ von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Arbeitsgruppe hat deshalb 72 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 21.702 Teilnehmenden für eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zusammengetragen. Die in den Studien auf ihre Wirksamkeit untersuchten Smartphone-Apps zielten darauf ab, Symptome einer psychischen Störung oder suizidale Gedanken und Verhaltensweisen zu reduzieren. Eingeschlossen waren Erwachsene mit erhöhter Symptomstärke, mit einer psychischen Störung gemäß DSM*-IV oder DSM-5 oder mit Suizidgedanken und -verhalten. Die Wirksamkeit wurde im Vergleich zu inaktiven Kontrollgruppen ohne alternative Behandlung analysiert. 

Kaum Wirkung bei Alkoholmissbrauch

Die Forschenden fanden signifikante Effekte der App-Nutzung bei der Behandlung von Depression, Angst- und Schlafstörungen. Für Anwendungen gegen Rauchen, Alkoholmissbrauch oder suizidale Gedanken ließ sich keine signifikante Wirkung feststellen. Aufgrund erheblicher Heterogenität z. B. bei Stichprobenmerkmalen und Bewertungsmethoden sind die Ergebnisse allerdings mit Vorsicht zu betrachten, betont das Autorenteam. 
Bei depressiven Symptomen, Angstzuständen und Schlafstörungen könnten solche Anwendungen als Übergangslösung angeboten werden, wenn bewährte Therapieoptionen nicht zugänglich seien. Der Erstbehandlung mittels persönlicher Psychotherapie oder Psychopharmaka solle allerdings Priorität eingeräumt werden, so die Kolleginnen und Kollegen.

*    Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
Kulke JK et al. Lancet Digit Health 2025; 7: 100923; doi: 10.1016/j.landig.2025.100923